alarmstuferot-pressekonferenz-memo-media-3

Bericht zur Pressekonferenz der Aktion #AlarmstufeRot

Bericht aus der Axica, 9. September 2020

Tom Koperek von der LK AG in Essen, Initiator der „Night of Life“„Night of Life“ und des Bündnisses #AlarmstufeRot, begrüßte die Medienvertreter in der Axica in Berlin am Vormittag der großen Demo von #AlarmstufeRot am 9. September 2020 zur offiziellen Pressekonferenz.

Überblick über die Branche vor Corona

Pressekonferenz Alarmstuferot

Sechs Forderungen zum Überleben der Veranstaltungsbranche

Christian Seidenstücker, Vorstandsvorsitzender der Joke AG in Bremen und an weiteren fünf Standorten, gab einen Überblick über die recht heterogene Live-Veranstaltungsbranche vor der Pandemie. Insgesamt sind 3 Millionen Menschen in 300.000 Betrieben beschäftigt gewesen. Die Kernbranche zählt bereits 1 Millionen Mitarbeiter*innen. Der direkte Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland beträgt 150 Milliarden Euro. Damit ist die Live-Branche der Sechstgrößte aller Wirtschaftsbereiche. Deutschland ist der drittgrößte Standort weltweit hinter den USA und China. 88 % der Veranstaltungen sind wirtschaftsbezogene Anlässe, 12 % zählen zu Kultur und Sport. Pro Person werden bei wirtschaftlichen Anlässen in normalen Zeiten 375 Euro umgesetzt. Seit Beginn der Pandemie ist dieser Umsatz praktisch auf Null gefahren. Es droht der Verlust von vielen hochqualifizierten Arbeitsplätzen wegen fehlender Perspektiven.

Die sechs Forderungen der Aktion #AlarmstufeRot

Jörn Huber ist Vorsitzender des FAMAB Kommunikationsverband e.V. und Inhaber einer Eventagentur in Heidelberg. Er formulierte die sechs Forderungen zum Überleben unserer Branche.

  1. Die Erste betrifft die Überbrückungshilfen, die im Moment gar nicht ankommen, weil sie der Unternehmenspraxis oder der von Soloselbstständigen nicht gerecht werden. Alle Kosten, auch 80 % der Fixkosten, müssen berücksichtigt werden. Und sie müssen mindestens bis Ende März 2021 reichen.
  2. Zweitens müssen die Kreditprogramme angepasst werden. Das heißt: Längere Laufzeiten müssen möglich sein. Die Tilgung gehört flexibilisiert.
  3. Drittens muss der steuerliche Verlustvortrag angepasst werden. Je Krisenmonat brauchen wir die Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags um ein Jahr, mindestens jedoch auf fünf Jahre. Wir brauchen die Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern.
  4. Viertens braucht es eine Flexibilisierung der Kurzarbeiterregelungen.
  5. Fünftens müssen alle Möglichkeiten des „Befristeten Rahmens für staatliche Beihilfen zur Stützung der Wirtschaft angesichts des derzeitigen Ausbruchs von COVID-19″ der EU-Kommission ausgeschöpft werden. Hilfen muss es auch für Unternehmen geben, die sich bereits vor dem COVID-19-Ausbruch in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben, entsprechend den Rettungs- und Umstrukturierungsleitlinien der EU-Kommission.
  6. Sechstens muss die Regierung endlich in einen Rettungsdialog treten.

Huber beziffert die notwendigen Hilfen auf fünf Milliarden Euro. Nicht vergessen werden sollte, dass die Live-Branche 2019 rund 20 Milliarden Euro Umsatzsteuer gezahlt hat.

Situation für Selbstständige

Für die Selbstständige Susanne Fritsch vom ISTV, der Interessengemeinschaft der selbstständigen Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft, gab es die Möglichkeit, auf die spezielle Situation der Soloselbstständigen einzugehen, die – so Fritsch – Wissensarbeiter und deshalb gekniffen sind, weil sie ihre Lebenshaltungskosten, die sie in normalen Zeiten aus ihrer unternehmerischen Tätigkeit heraus erwirtschaften, nicht als Kosten bei den Hilfen berücksichtigen können. Es bleibt die Grundsicherung. Das heißt, selbstständige Einzelunternehmer*innen müssen auf ihre Rücklagen fürs Alter zugreifen, wenn diese mehr als der Grundfreibetrag von 60.000 Euro betragen. Das bedeutet in der Praxis, dass sie jetzt vielleicht damit über die Krise kommen, aber im Alter vor einer vollständigen Armut stehen.

Rechtsgutachten und Dialog statt Massenklagen

Pressekonferenz der #AlarmstufeRot

Erläuterung eines Rechtsgutachtens auf der Pressekonferenz der #AlarmstufeRot.

Christian Seidenstücker erläuterte anschließend ein Rechtsgutachten, das am 9. September 2020 ebenfalls veröffentlich werden soll, und das klar aussagt, dass das Berufsverbot unserer Branche einer Enteignung gleichkommt. Das Veranstaltungsverbot ist ohne Ausgleich ein Verstoß gegen die Verfassung. Das Aktionsbündnis setzt aber auf Dialog statt auf Massenklagen.

Dirk Wöhler, DJ und offizieller Anmelder der Demo, erläuterte abschießend in einem emotionalen Beitrag die Demo. Es wurden 10.000 Teilnehmer erwartet und 500 Fahrzeuge hatten sich für die Autodemo angemeldet. „Für die schönste und verrückteste Branche der Welt“, so Wöhler.