'Sex in der Krise' ein gesellschaftspolitischer Rundumschlag

'Sex in der Krise' ein gesellschaftspolitischer Rundumschlag Burghardt ist ein Aufklärer!
„Das politische Kabarett ist tot!“ Die großen Bühnen der Republik sind mit total lustigen Comedians und harmlos daher plaudernden Kabarettisten a la Dieter Nuhr überfrachtet und meist ausverkauft. Witzmacher sind heute Popstars, werden vermarktet und machen Umsatz und Profit! Schnell kommt der Eindruck auf, dass neben den beiden medial herausragenden Vertretern  Volker Pispers und Georg Schramm, ernst zu nehmendes politisches Kabarett im Lande nicht mehr existiert. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger, auch wenn die „Verbetriebswirtschaftlichung“, wie es der ernst zu nehmende Journalist Herbert Prantl nennen würde, selbst in der Unterhaltungskunst Einzug gehalten hat!

Der Dortmunder Hubert Burghardt ist einer der wenigen Kabarettisten die „politisches  Kabarett“ noch nicht als vordergründiges Politiker-Bashing verstehen. Burghardt  versteht sich nicht als „Tagespolitclown“ der sich an oberflächlichen Pointen durch vermeintlich aktuelle Themen abarbeitet und nur den „Affen Zucker gibt“.

Der 52-jährige schlägt gern mal tiefer, geht auch mal dahin, wo es dem Zuschauer weh tun kann. Doch keine Sorge, Burghardt ist kein Miesepeter, eher ein Aufklärer! Bei aller Brisanz seiner gut recherchierten Themen, versteht er es gekonnt zu unterhalten ohne dabei an Substanz zu verlieren. Er ist nicht nur ein charmanter Geschichtenerzähler der plaudernd auf der Bühne rumsteht wie es Stand-Up-Comedians und auch viele Kabarettisten tun.

Neben der Vielschichtigkeit in den Texten, die schon Konzentration und Aufmerksamkeit erfordern um nicht verloren zu gehen, lässt selbst ein zweistündiges Soloprogramm keine Ermüdungserscheinungen aufkommen. Dazu bedient Hubert Burghardt sich schauspielerisch gekonnt immer wieder des Figuren- und Typenkabaretts, nutzt Mundarten und bedient sich kleiner Requisiten. Dazwischen musiziert er an Klavier und Gitarre und singt hübsche Lieder über hässliche Dinge, die zunächst leichtfüßig unterhalten und deren Tiefgang oft erst nach wiederholtem Hören deutlicher wird. Dieser Effekt entsteht übrigens auch bei vielen seiner Texte und Szenen absichtlich. „Denn“, so Burghardt, „um den Zuschauer mit Inhalten zu erreichen, muss man ihn zunächst bei Laune halten um seine Aufmerksamkeit nicht zu verlieren. Ich rede ja nicht auf der Bühne nur um lustig zu sein, sondern um etwas mitzuteilen, zu vermitteln. Viele Zusammenhänge sind komplex das erfordert Aufmerksamkeit. Und damit das Publikum auch zuhört, mir gedanklich folgt, muss ich das was ich sagen will, möglichst pointiert formulieren. Das ist übrigens der wesentliche Unterschied zum Komiker bzw. Comedian der ja in erster Linie unterhalten will. Was also bei mir zunächst witzig, unterhaltsam oder leichtfüßig daherkommt, erschließt sich in seiner tieferen Bedeutung vielleicht erst viel später! Zuschauer die mehr erwarten als Mario-Barth-Witzchen, fühlen sich in meinen Vorstellungen erfahrungsgemäß stets gut unterhalten, auch wenn sich Ihnen vieles beim ersten Mal sicher nicht erschließt. Aber wer ein paar Monate später wiederholt eine Vorstellung besucht, hat das fast immer das Gefühl es muss sich mindestens zur Hälfte um ein völlig neues Programm handeln. Dabei ändere oder aktualisiere ich praktisch nie etwas in einem laufenden Programm. Texte wirken für Zuschauer immer wieder brandaktuell, weil die strukturellen Realitäten leider viel beständiger sind als die heiße Luft der Tagespolitik. Ich bemühe mich meine Texte halt so zu bauen, dass sie dieser heißen Luft standhalten. Das ist wie bei guter Musik, guten Büchern oder
Filmen, da entdeckt man auch immer wieder Neues, Spannendes und Wahres. Nur bei kabarettistischen Texten herrscht die Meinung vor, sie hätten die Haltbarkeit wie der Inhalt der Tagesschau oder die Brötchen vom Bäcker.“

Burghardt, der zwar nicht wie die meisten seiner Standeskollegen examinierter Lehrer ist, aber doch diplomierter Sozialpädagoge, weiß, „Kabarett kann die Welt nicht ändern, nicht wirklich etwas bewegen, denn an den Hebeln der Macht sitzen andere. Aber auch der Einfluss eines Hauptschullehrers auf die Welt ist letztlich sehr überschaubar. Trotzdem gibt es Menschen die mit voller Inbrunst und voller Überzeugung Hauptschullehrer geworden sind und sich täglich vor eine schwer zu bändigende Gruppe von Menschen stellen, in der vagen Hoffnung vielleicht doch dem ein oder anderen die ein oder andere Anregung zu geben oder eine Gedanken zu vermitteln!“    

Burghardt weiß was er tut. Schließlich steht er seit 40 Jahren auf der Bühne, zunächst als Schlagzeuger in verschiedenen Blues- Rock- und Jazzformationen, dann als Liedermacher, als Ensemble-Mitglied im Studentenkabarett, als Kabarett-Duo und in den letzten Jahren als Solist. Viele Jahre hat er zudem für Hörfunk und Fernsehen geschrieben, gespielt, gesprochen, produziert und realisiert. Er kennt die öffentlich-rechtlichen genau so wie die Privaten. Er schreibt auch für andere Kabarettisten und hat sogar Erfahrungen gesammelt als einer der ersten Grünen Kommunalpolitiker in NRW. Sein neues 5. Soloprogramm heißt „Sex in der Krise.“

Zum Inhalt: Im Kapitalismus galt die Devise, „Glück an der Börse? Geld für die Liebe!“ Das Dilemma: Banken- und Finanzcrash haben gezeigt, Wirtschaftskrisen ziehen stets Einbrüche an Stellen nach sich, wo man sie zunächst nicht vermutet. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsmacht und Libido? Folgt einem potenten Börsen-Hype gesetzmäßig die Baisse im Bett? Macht Geld geil? Wer allerdings harmloses Geschlechterkabarett oder platte Frivolitäten für ein rasches Vergnügen erwartet, ist hier fehl am Platz. „Sex in der Krise!“ heißt der Titel des 5. Kabarettsolo von Hubert Burghardt. Der Dortmunder Kabarettist meint dabei nicht die „Lustlosigkeit“, von der immer mehr Menschen in unserer reizüberfluteten und überalternden Gesellschaft betroffen sind. Mit „Sex“ und „Krise“ sind Einbrüche auf speziellen Märkten gemeint, die reizlos verdorren. Stattdessen wachsen Unsicherheit und Ungewissheit.

“Sex in der Krise!“ liefert einen intelligenten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Rundumschlag, ohne „erogene Schlüpfrigkeiten“ oder „praktische Tipps zur Auffrischung einer nachlassenden Libido“. Gleichwohl gibt es „nackte Tatsachen“, „entblößende Statistiken“ und „extraordinäre Perspektiven“. Sogar vor der „vulgären Zurschaustellung“ wenig bekannter Zusammenhänge schreckt Hubert Burghardt nicht zurück. Ob es um das globale „Klimakterium“ geht, oder „Wechseljahre“, die über den Anbieterwechsel bei Strom und Gas hinausgehen, Burghardt moderiert, räsoniert, skizziert, agitiert und pointiert, ohne dass Komik und Unterhaltung zu kurz kommen. Dabei springt Hubert Burghardt in mal mehr, mal weniger vertraute Figuren, oder auch ans Klavier und singt schöne Lieder über unschöne Dinge. „Sex in der Krise!“ ist ein krisenfestes Kabarettprogramm, das durch Mitdenken richtig sexy wird. 

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