rost:licht - "KlangAtoll“

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Was war das? Das Gespräch der bunten Gesellschaft am Seeufer stockt. Musik weht vom Wasser herauf. Dann haben es die ersten gesehen: Langsam schält sich eine kleine Insel aus dem dunklen Schilf, treibt scheinbar schwerelos ins Offene.  Auf der Insel steht eine einsame Straßenlaterne, im zarten Schein sitzt eine junge Frau und entlockt einer Harfe perlende Klänge. Kein Laut vom Ufer. Erst als das Licht hinter der Biegung verschwunden, als der letzte Ton verweht ist, brandet Beifall auf. „Ich hab das schon mal am Kanal unten gesehen“, sagt ein Mann. „Aber da saß ein Cellist auf der Insel...“ Oder war das alles doch nur Einbildung? Nein, nein, keine Einbildung! „KlangAtoll“ ist ganz real und eines der Projekte des Lichtkünstlers Jörg Rost. Zusammen mit seiner Crew „rost:licht“ gestaltet der Mann aus Schwerte begehbare, theatrale und musikalische Bespielungen. Schlösser, Kirchen und Industrieanlagen, aber auch Parks, Gebäude oder Plätze setzt er in neues und oft spektakuläres Licht. Jörg Rosts Lichtinstallationen geben Orten und Situationen eine neue Seele oder sie lassen längst Vergessenes wieder sichtbar werden.

Jörg Rost, Jahrgang 63, hat eigentlich mal ganz gediegen Bäcker gelernt, dann aber auch als Seemann und Schiffskoch gearbeitet. Nachdem er in Schwerte am Rande des Ruhrgebiets dauerhaft vor Anker gegangen war, machte er sich schnell bei zahlreichen Veranstaltungen einen Namen als der Mann, der alles möglich macht. Feste Formen bekam die Sache, als er vor 22 Jahren die technische Leitung des „Welttheaters der Straße“ in seiner Heimatstadt übernahm. Seither hat er mit fast allen großen und kleinen Straßentheatergruppen der weltweiten Szene zusammengearbeitet. Inzwischen ist Rost auch beim „Europäischen Straßentheaterfestival Detmold“, beim im Jahre 2011 neu etablierten Straßentheaterfestival „flurstücke“ in Münster oder beim Micro! Festival in Dortmund als technischer Leiter gesetzt.

Irgendwann aber war es ihm nicht mehr genug, immer nur die anderen in bestes Licht zu setzen. Ab 2001 rückte das Licht selbst immer mehr in den Mittelpunkt und Jörg Rost begann mit künstlerischen Lichtinstallationen zu experimentieren: „Dabei war es mir von Anfang an wichtig, ein Gegengewicht zu den überwältigenden und überinszenierten Plastik- und Funkelwelten zu schaffen. Heute schaffen wir Räume, die Platz für Überraschungen und Zufälle lassen, in denen die Zuschauer selbst ihre Phantasie von der Leine lassen können.“ Auf Pauken und Trompeten also wird bewusst verzichtet, Rost Sehnsuchts(t)räume betreten die Besucher oft flüsternd und auf Zehenspitzen.

Eine ganz frühe Sache war das „Kirschblütenfest“ in seiner Heimatstadt. In einer kleinen Nebenstraße der Vorstadt taucht rost:licht seither alle Jahre im April 30 blühende Kirschbäume drei Abende lang in rosa Licht. Von Anfang an holte die gesamte Nachbarschaft die Stühle auf die Straße, Vivaldi klang aus offenen Fenstern, Flaschen kreisten und Paare und Freunde flanierten durch einen Tunnel in Rosa-Rost.
Inzwischen lockt das Kirschblütenfest jährlich bis zu 7000 Besucherinnen und Besucher aus dem benachbarten Ruhrgebiet und Sauerland. Kinder werden mit rosa Zuckerwatte verwöhnt, befreundete Künstler spielen gagenfrei. Der Sommer kann kommen. Das Fest finanziert sich über die von rost:licht angebotene Gastronomie. Seit kurzem wird ein (tatsächlich gern gezahltes) Eintrittsgeld erhoben, das zu 100 Prozent dem „Welttheater der Straße“ zugutekommt. Dabei hat das alles nichts Rummeliges. Rost: „Unsere temporären Wunderwelten wollen den Leuten helfen, sich ein Stückchen auf sich selbst zu besinnen. Dazu wecken wir auch Sehnsüchte und lassen Raum für deren Befriedigung – für eine kleine Zeit.“

Beim „Lichtpicknick“ zum Beispiel sprießen große, bunte Leuchtpilze aus dem Boden. Die Büsche und Bäume ringsum werden beleuchtet und Musiker untermalen die sinnliche Szenerie. Die Besucher, die so gegen 21 Uhr gekommen sind, haben Decken mitgebracht und Picknickkörbe – oder lassen sich diese von der örtlichen Gastronomie füllen. Eine Genuss für alle Sinne. Irgendwo knallte leise ein Sektkorken und an einer Ecke der Pilzwiese lässt sich ein Clown beim Pflanzen von Blumenzwiebeln von den Kindern helfen. „Darf ich auch mal?“, kräht ein Knirps. Schon der Weg zum Picknick war ein kleines Abenteuer für die Augen. Vom Parkplatz aus ging’s gut fünfhundert Meter an einer gut bestückten und beleuchteten Wäscheleine entlang.

Die „Parksymphonie“, ein weiteres rost:licht-Projekt, kleidet Parks oder Wälder ganz neu ein. Visuelle Visionen verschmelzen hier mit Klangbildern: Livemusiker kommunizieren mit Bäumen, die wiederum das Licht zum Leben erwachen lässt. Hängematten für Musiker oder Publikum laden zum Verweilen ein - wieder so eine Sache auf leisen Sohlen. Doch was so schwerelos, so „wie hingetupft“ daherkommt, braucht Verbündete. Da ist zum einen die Natur: Ohne See keine Insel, ohne trockene Wiese kein Picknick, ohne leisen Wind keine wehende Wäsche. Da schafft der Schnee über Nacht ganz neue Projektionsflächen und ein Kirschblütenfest im April ist halt wettermäßig immer ein Abenteuer. Doch neben der Natur ist rost:licht vor allem auch mit knallharter Technik im Bunde. Die Truppe ist versiert und sehr erfahren, akribische Kleinarbeit paart sich hier mit Durchhaltevermögen und teils haarsträubendem Improvisationstalent. Professionalität ist das Stichwort.  Und die Szene dankt es ihm. Jörg Rosts Arbeit ist inzwischen deutschlandweit und im benachbarten Ausland bekannt. Mit seiner Lichtinstallation im Rahmen von „Lichtspuren“ gewann er im Mai 2005 gemeinsam mit dem Theater Anu den Publikumspreis des Theaterfestivals Holzminden. Seit 2002 ist Rost mit seinen Installationen regelmäßig bei der renommierten Extraschicht im ganzen Ruhrgebiet zu bestaunen.  Ach ja: Und Torten, Torten kann der gelernte Bäcker auch immer noch.

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