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Grenzen der Freiwilligkeit von Ticketabgaben im Bundestag debattiert: Live Music Fund fordert politische Unterstützung für die Clubkultur

vom 27.05.2026 veröffentlicht über meinMemo

BERLIN, 22. Mai 2026 – Am gestrigen Mittwoch versammelte sich das „Parliament of Pop“ im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages zu einer hochkarätig besetzten Debatte unter dem Titel „Ticketing Goes Bundestag“. Im Zentrum der kulturpolitischen Diskussion stand die Frage, wie die Live-Musik-Branche in Zeiten von Rekordgewinnen großer Konzerne und gleichzeitigem Clubsterben ein solidarisches und faires Ökosystem sichern kann. Und ab wann der Gesetzgeber regulierend eingreifen muss.

Live Music Fund am Scheideweg: Blockade durch Großveranstalter

Ein zentraler Programmpunkt war das Panel „A La Française: Ticket-Abgabe auch in Deutschland?“, bei dem Felix Grädler, Initiator des Live Music Fund, eine ehrliche Bilanz zum vor zwei Jahren gestarteten solidarischen, bundesweiten Branchenmodell zog. Der Ansatz, über eine freiwillige Selbstverpflichtung und die Einführung eines „Live-Euros“ Gelder von den großen Playern zu kleineren Spielstätten umzuverteilen, stößt aktuell an seine Grenzen.

Von den 15 großen deutschen Veranstaltenden haben bis heute lediglich drei die Vereinbarung unterzeichnet. Da das Modell jedoch eine Mindestbeteiligung von zehn der 15 Branchenriesen vorsieht, um flächendeckend in Kraft zu treten, herrscht derzeit Stillstand.

„Die Musikbranche und vor allem die Live-Branche kann solidarisch sein und zeigen, dass eine faire Umverteilung funktioniert“, erklärte Felix Grädler im Rahmen der Debatte. „Wir haben sehr viele Gespräche mit allen Branchenteilnehmer:innen geführt. Die Kernfrage, die wir uns nun alle stellen müssen, lautet: Wie viel Druck ist seitens der Politik nötig, um diese sehr großen Partner in ein solches System zu integrieren? Kann ein rein solidarisches Modell auf freiwilliger Basis überhaupt funktionieren?“

Politik erteilt reiner Freiwilligkeit eine Absage

Deutliche Unterstützung erhielt die Initiative aus den Reihen der Politik. Martin Rabanus (MdB, SPD) positionierte sich klar auf der Seite einer stärkeren Marktregulierung und kritisierte die mangelnde Kompromissbereitschaft marktdominierender Konzerne wie CTS Eventim.

Ich bin ein großer Freund von regelbasierten Marktordnungen - und zwar ohne deswegen gleich den Sozialismus ausrufen zu wollen, was man ja gerne vorgeworfen bekommt, wenn man reguliert“, betonte Martin Rabanus. Mit Blick auf die Millionengewinne der Branchenriesen fügte er hinzu: „Diese großen, monopolistischen Marktteilnehmer geben natürlich nicht freiwillig etwas ab. Wenn wir keine gesetzliche Rückfallposition haben, warum sollten sie sich von ihren operativen Gewinnen freiwillig verabschieden? Nur auf freiwilliger Basis? Das ist mir zu wenig. Meine politische Erfahrung ist, dass wir am Ende des Tages andere Daumenschrauben brauchen, damit die Dinge fliegen.“

Als erfolgreiches ordnungspolitisches Vorbild nannte Rabanus die gesetzlich verankerte Filmabgabe, deren Governance-System dennoch von der Branche selbst verwaltet wird. Ein ähnliches Modell sei auch für den Live-Musik-Sektor dringend geboten.

Breites Spektrum: Von „True Crime Ticketing“ bis zum Sozial-Ticket

Neben der Debatte um den Live Music Fund beleuchtete das vom Veranstalter organisierte Forum weitere drängende Baustellen der modernen Veranstaltungswirtschaft. In verschiedenen Panels diskutierten Abgeordnete, Musiker:innen und Verbandsvertreter:innen über:

  • Wirksame Maßnahmen gegen den spekulativen und überteuerten Ticket-Zweitmarkt („Regulierung Now“).

  • Politische Hebel gegen unfaire Vertriebsmethoden im Panel „TTT – Der Tankstellen-Ticket-Trick“ (u.a. mit den Bundestagsabgeordneten Awet Tesfaiesus und Sebastian Steineke).

  • Die Zugänglichkeit und soziale Gerechtigkeit von Kulturveranstaltungen durch die Einführung von Sozial-Tickets.

Ausblick

Die Debatte im Bundestag hat gezeigt: Der Schutz der Clubkultur und eine gerechte Verteilung der Branchengewinne sind endgültig auf der parlamentarischen Agenda in Berlin angekommen. Für die Bundesstiftung LiveKultur und den Live Music Fund ist das Signal des Abends eindeutig: Der Kampf für ein solidarisches Ökosystem wird entschlossen fortgeführt. Wenn nötig, mit dem entsprechenden gesetzlichen Rückenwind.