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Artist Bence Baumann träumt vom Auftritt im Cirque du Soleil

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„Ich muss auf einiges verzichten, was für andere Leute in meinem Alter zum Alltag gehört. Aber das macht mir nichts aus, denn ich liebe die Artistik“, bei jedem Wort merkt man Benedikt Bence Baumann an, dass er für seinen Beruf und seine Leidenschaft lebt. Der 19-jährige gebürtige Ungar ist ein aufstrebender Künstler im Bereich der Trapez- und Hula-Hoop-Artistik: „Mein größter Traum ist es, im Cirque du Soleil aufzutreten“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Riskante und überraschende Hula-Hoop-Figuren

Artist bence baumann

Eine große Herausforderung in der Hula-Hoop-Artistik ist es, als Mann nicht weiblich zu wirken.

Als Bence mit der Artistik angefangen hat, war er 15 Jahre alt und ging in die neunte Klasse. Er meldete sich in 2011 an der Staatlichen Artistenschule Berlin an, nachdem er feststellte, dass ihn seine vorherigen Sportrichtungen – Geräteturnen und Ballett – nicht erfüllten. Also versuchte er sich in der Hula-Hoop-Artistik und war begeistert. Für diese Disziplin hatte er sich entschieden, weil er durch seine Eltern, die ebenfalls künstlerisch begeistert sind, schon früh mit rhythmischer Gymnastik zu tun hatte. „Als Mann beim Hula-Hoop nicht zu weiblich zu wirken, ist eine Herausforderung. Deswegen zeige ich riskante und überraschende Figuren – beispielsweise fange ich einen Reifen mit dem Nacken oder den Füßen auf, während ich im Handstand bin“, so der Artist. Damit möchte er das Publikum zum Staunen bringen: „Wenn mich die Zuschauer nicht mehr als Mensch, sondern als Kunstwesen sehen, habe ich mein Ziel erreicht.“

In der Trapez-Artistik neue Maßstäbe setzen

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Neben der Hula-Hoop-Artisik zeigt Bence auch anspruchsvolle Performances in der Luft. Foto: Sebastian Hänel

Das Erstaunliche ist jedoch, dass technisch schwierige Boden-Figuren vom Publikum meistens weniger Anerkennung erhalten als einfache Luftnummern. „Sobald ein Artist in der Luft ist, jubeln die Zuschauer – ganz gleich wie leicht oder schwierig die Darbietung ist“, klärt Bence auf. Das hat ihn dazu bewegt, sich neben der Hula-Hoop-Artistik auch am Trapez zu beweisen: „Mit meiner Tuch-Ring-Nummer in der Luft möchte ich neue Maßstäbe setzen. Statt leichter Figuren ist es mein eigener Anspruch, Nummern auf technisch hohem Niveau zu präsentieren.“ Außerdem ist die Trapez-Artistik eine Abwechslung zu seinen Hula-Hoop-Darbietungen: „Beim Hula-Hoop stehe ich die ganze Zeit unter großer Anspannung aus der Sorge, einen Reifen bei einer Figur zu verfehlen. Hierbei ist wirklich viel Feingefühl gefragt und das Training kann schon mal frustrierend sein. Präsentationen in der Luft hingegen sind zwar risikoreicher, aber grobmotorischer – obwohl es nicht danach aussieht.“

Bence zielt in all seinen Performances auf eines ab: Er möchte seinen Charakter und vor allem eine Geschichte vermitteln. „Gemeinsam mit meinem Trainer Jewgenij Zakharchenko wähle ich für meine Darbietungen eine berühmte Persönlichkeit als Inspiration oder wir schreiben zusammen eine eigene Geschichte“, erzählt Bence. Eine seiner aktuellen Nummern, an denen er mit seinem Trainer noch feilt, widmet er beispielsweise „Alan Turing“ zu der Musik aus dessen Filmbiografie „The Imitation Game“.

Bence ist Preisträger des „Sprungbretts 2016“

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Artist Bence Baumann wurde von memo-media zum Preisträger des „Sprungbretts 2016“ gekürt.

Für Bence beginnt in diesem Jahr ein neuer Lebensabschnitt. Denn er absolvierte im Juli seine Ausbildung an der Staatlichen Artistenschule Berlin – er hat sein Abitur bestanden und ist nun staatlich geprüfter Artist. Passend zu seinem erfolgreichen Abschluss wurde Bence von memo-media zum Preisträger des „Sprungbretts 2016“ gekürt – der Preis wird ihm am 25. Januar 2017 im Rahmen der Internationalen Kulturbörse Freiburg überreicht.

Bis dahin stehen noch einige Auftritte an. Derzeit bereitet er sich in Ungarn auf das „International Circus Festival of Latina“ vor, das Mitte Oktober in Italien stattfindet. Doch ganz besonders fiebert Bence einer Nachricht entgegen: Er wartet auf die Einladung zu den Auditions beim Cirque du Soleil. Dieser ist bereits mit ihm in Kontakt getreten. Es ist jeher sein großer Traum, dort aufzutreten – und diesem ist er durch seinen Ehrgeiz, sein Talent und seine Leidenschaft ganz nah.