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Trommeln bis der Chef kommt (2008-06-25)

Trommeln bis der Chef kommt
Im Rahmen von Kongressen und Fachtagungen gelten Trommelworkshops als „Eisbrecher": Sie motivieren die Mitarbeiter, stärken das Wir-Gefühl im Team oder sorgen nach einem anstrengenden Konferenztag für Entspannung. showcases stellt verschiedene Anbieter von Trommelworkshops vor.

An der Universität Witten Herdecke findet zum zehnten Mal der Kongress für Familienunternehmen statt. Die Kongressbesucher sind schon seit neun Uhr konzentriert. Im Laufe des Tages haben sie Vorträge gehört oder an verschiedenen Workshops teilgenommen. Jetzt, am frühen Abend, scheint der offizielle Teil abgeschlossen, denn in der Programmübersicht wird „Eine unerwartete Überraschung" angekündigt. In der Tat schauen die Besucher verblüfft in die Runde, als von draußen Trommel-Klänge zu hören sind. Als Highlight haben die Veranstalter Drum Café, eine Percussiongruppe aus Frankfurt, eingeladen. Vier schwarz gekleidete Männer kommen mit Trommeln zur Tür herein und bahnen sich einen Weg zu einer kleinen Bühne am Kopfende des Saals. Dabei schlagen sie rhythmisch auf die Instrumente ein. Schnell verteilen einige Helfer nun auch Trommeln an die Teilnehmer.

Ein junger Mann auf der Bühne fängt an, einen Rhythmus zu schlagen. Er muss das Publikum nicht erst bitten, es ihm gleich zu tun, denn schon fallen 250 Personen im Gleichtakt mit den Djembes - westafrikanische Trommeln - in den Rhythmus ein. Stefan Frommherz ist „Facilitator" bei Drum Café: Er ist der Mittelsmann zwischen Teilnehmern der Workshops und seinen Musikern, gibt den Ton an und achtet auf das richtige Timing. „Im Gegensatz zu normalen Trommelworkshops, bei denen es um das Erlernen geht, sind interaktive Percussion Events immer ergebnisorientiert. Am Ende steht das Gemeinschaftserlebnis"

Die Ursprungsidee zu den Corporate Drumming Events für Unternehmen ist in Südafrika entstanden. Die Franchise-Organisation „Drum Café" agiert inzwischen weltweit. „Unser Focus liegt auf dem Gemeinschaftserlebnis und der aktiven Beteiligung der Teilnehmer. Auf den Konferenzen wird immer viel gesprochen, da sind die Teilnehmer froh, wenn sie eine „nonverbale Pause" einlegen können," sagt Frommherz. Und: „Ungeübte Spieler bekommen leicht Muskelverspannungen", deswegen unterbricht er immer wieder das Trommeln, schüttelt seine Hände aus und zeigt seinen Schülern, wie sie sich gegenseitig den Nacken massieren können. Dann geht es wieder weiter.

Seine Kollegen im Hintergrund bilden mit ihren Instrumenten einen Klangteppich, die Workshopteilnehmer schlagen dazu unterschiedliche Takte. Die Musiker stammen aus Westafrika und sind mit der Djembe aufgewachsen. Das Instrument wird dort aus ausgehöhlten Baumstämmen gefertigt und hat ein breitgefächertes Klangvolumen.

Auch Ismael Seck, Mitbegründer der Drum Conversation, hat das Trommeln mit der Djembe von der Pieke auf gelernt. Als Mitglied einer traditionellen „Griot-Familie" aus dem Senegal beherrscht er die „Trommel-Sprache". Griots berichteten im Dienste von Königen und Herrschern über die politischen Ereignisse des Landes. Das taten sie mit Hilfe einer Trommel. Heute würde man die Griots als Regierungssprecher bezeichnen.

Seck und sein Kollege Uwe Grohn sind Geschäftsführer von „Drum-Conversation". Sie sind zu einem Kongress für Versicherungsangestellte in das Berliner Estrel Kongresszentrum eingeladen worden. Unter dem Motto „Africa" wollen die Veranstalter ihren Mitarbeitern einen außergewöhnlich spannenden und doch entspannenden Abend bieten.

Der Saal ist mit Palmen geschmückt, afrikanisch anmutende Sitzgruppen laden zum Verweilen ein. Während die Gäste noch ihr Dessert genießen, beweisen Seck und drei weitere Afrikaner auf der Bühne schon einmal ihre Trommelkünste. Ein Akrobat macht dazu atemberaubende Kunststücke. „Ismael Seck auf der Bühne zu erleben, das ist immer ein kleines Ereignis," sagt Uwe Grohn, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Er selber zieht die Fäden im Hintergrund, während Seck als Protagonist meistens auf der Bühne steht. „Ich habe Ismael vor zehn Jahren zufällig bei einem Workshop kennen gelernt. Seitdem ist er mein Lehrer und Geschäftspartner." Mit vollem Körpereinsatz animiert Seck nun die Teilnehmer zum Trommeln, Singen und Klatschen. Alle Gäste haben inzwischen eine Djembe bekommen und folgen begeistert den Anweisungen von Ismael Seck und den anderen Trommlern.

Werner ist Versicherungsvertreter aus Coburg. Der 47-Jährige ist heute zum ersten Mal bei einem solchen Event dabei. Anfangs schaut er immer wieder etwas verunsichert nach rechts und links, dann lässt er sich von der besonderen Atmosphäre mitreißen und schlägt die Djembe, als ob er noch nie etwas anderes getan hätte. Völlig erschöpft, aber durch und durch glücklich sitzt er noch Minuten nach der Trommelsession an seinem Platz. „Das habe ich noch nie erlebt. Man merkt, wie viel Energie und Seele da drin ist." Und damit meint er nicht nur die Trommelmusik, sondern auch die Art und Weise, wie Drum Conversation diesen Workshop vermittelt.

Auf Energie setzt auch das Trommel-Unternehmen Team Beats. Gerd Weigelt, Musikpädagoge, Berufsmusiker, Kinesiologe und Geschäftsführer von Team Beats, lässt viele unterschiedliche Elemente in seine Workshops einfließen. „Auf spielerische Art wird bei uns das Gruppengefühl gestärkt, Motivation und Konzentration gesteigert. Die Kurse haben eher einen Trainingscharakter." Team Beats entwickelt seit Jahren Konzepte für Kommunikationstrainings in Unternehmen.

„Manchmal herrscht innerhalb eines Teams Unfrieden, weil sich zwei nicht verstehen. Schon bei den Aufwärmübungen sind die Teilnehmer so beschäftigt, dass sie meistens gar nicht merken, dass sie die Übungen zufällig mit dem ungeliebten Nachbarn machen." Team Beats benutzt bei den Workshops über 500 verschiedene Schlaginstrumente. Von der normalen Trommel bis hin zu Messern und Gabeln. Beim so genannten „Dinner Drumming" werden Weinkühler zu Trommeln, verwandeln sich Gläser in Becken, schlagen Löffel den Takt. Das hört sich nach verbotenen Kinderspielen an, aber „gegessen wird immer," sagt Weigelt „und wenn es dann noch Spaß macht, haben wir unser Ziel erreicht."

Im Rahmen eines „showcases" präsentiert Drum Olé sein Programm. Rund 60 Geschäftsleute haben sich für diesen Abend angemeldet. Jetzt sitzen sie in einem großen Raum auf kleinen weißen Kisten und schauen gespannt in Richtung Bühne. Dort erklärt Roberto Emmanuele, Geschäftsführer von Drum Olé, was es mit den Kisten auf sich hat: Sie sind die kleinsten Schlagzeuge der Welt und heißen Cajons (gespr.: Kachon). Seine Ursprünge hat die Cajon in Peru. Dort benutzten die Sklaven einfache Transportkisten aus Holz als Trommeln und diese Idee wurde weiterentwickelt. So dienen die Cajons den Workshopteilnehmern nicht nur als Sitzmöbel, sondern sind in erster Linie außergewöhnliche Musikinstrumente. Mit den eher unscheinbaren Instrumenten kann man wie auf einem richtigen Schlagzeug Trommel- und Snareklänge erzeugen. „Der Klang der Instrumente ist so vielseitig, dass wir damit richtige Musik-Stücke, speziell auf die Unternehmen zugeschnitten, produzieren können", erläutert Emmanuele. „Unter dem Motto „Teamwork in Music" können Mitarbeiter einen ganzen Tag lang als Mitglied einer innerbetrieblichen Band Musiker, Sänger oder Tontechniker sein. Abends wird dann das Gesamtprodukt vorgestellt, echte corporate music eben."

Nun führt Ricardo Espinosa, Workshopleiter und professioneller Cajonspieler, eine kleine Kostprobe seines Spiels vor. Die Teilnehmer machen gleich mit, allmählich entsteht ein richtig guter Groove. Seriöse Damen und Herren, die kurz zuvor noch ein wenig steif auf ihren Hockern gesessen haben, geraten geradezu außer sich, lachen und singen mit. Auch Birgit Natale-Weber ist mit Leib und Seele dabei. Die zierliche Eventmanagerin aus Florstadt hat schon einige Events mit Drum Olé organisiert. „Das Besondere an dieser Gruppe ist der Spirit, den sie rüberbringt. Das Trommeln setzt eine unglaubliche Energie frei."

Ob mit Messer und Gabel, ob auf Holzkisten oder mit einem richtigen Instrument, in kleinen Gruppen oder auf großen Kongressen, - Drummingworkshops sorgen für gute Laune, schweissen zusammen, entspannen und motivieren. Und man kann überall damit beginnen - wo steht denn eigentlich Ihre Kaffeetasse?

 

Quelle bzw. Informationen von:
Drum Cafe Trommelevents und Trainings
DRUM CONVERSATION® Trommelevents und Trommelworkshops
SynergyBeats Mit Rhythmus zum Erfolg

 

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