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Licht und Schatten: Europas größte Sonnenuhr funktioniert dank Clay Paky und MA Lighting auch in der Nacht

vom 16.04.2007 veröffentlicht über meinMemo

Sie tickt naturgegeben nicht richtig. Und doch zeigt eine der größten Sonnenuhren Europas, die auf dem Aschaffenburger Theaterplatz am Ammersee errichtet wurde, jederzeit die korrekte Uhrzeit an

Sie tickt naturgegeben nicht richtig. Und doch zeigt eine der größten Sonnenuhren Europas, die auf dem Aschaffenburger Theaterplatz in monatelanger Arbeit vom Bildhauer Christian Tobin aus Riederau am Ammersee errichtet wurde, jederzeit die korrekte Uhrzeit an - auch in der Nacht. Dabei folgt die ungewöhnliche Installation den Gesetzen der Gnomonik, der Lehre von den Sonnenuhren. Der im Schaft des sechseinhalb Meter hohen kegelförmigen Schattenwerfers der Uhr integrierte Clay Paky Mini Scan HP3 folgt stattdessen den Steuerungssignalen der astronomischen Echtzeituhr einer grandMA onPC, die hier als Architekturlichtsteuerung fungiert.

Diese lässt im Dunkeln den Lichtstrahl des Scans über das auf dem Platz aufgebrachte Muster aus Stunden- und Monatslinien, Tierkreiszeichen und römischen Ziffern gleiten. Was bei Tag die Sonne mittels Schattenwurf der Kugel auf der Spitze des kegelförmigen Zeigers anzeigt, steuert in der Nacht das Pult. Dann schalten sich auch zahlreiche „Light-ups“ ein und der Gnomon sendet einen farbigen Lichtstrahl aus, der im Minutentakt über das Ziffernblatt wandert.

Lichtdesigner Ulrich Kunkel über das Projekt: „Das Nachtdesign für die Sonnenuhr in Aschaffenburg war eine besondere Herausforderung, sollten doch der Aufbau der Uhr nicht verändert und die nötigen Lichtquellen nahezu unsichtbar in das Gesamtkonzept integriert werden. So markieren im Boden eingelassene LED-Light-ups die Sommer- und Wintersonnwendlinien. Statt eines Schattens sollte die Uhr nachts einen Zeiger projizieren, um minutengenau die aktuelle Uhrzeit anzuzeigen. Durch die besondere Konstruktion des Gnomon kam nur ein Clay Paky Mini Scan HP3 in Frage, der sich durch seine kompakten Abmaße fast unsichtbar in den Schattenwerfer integrieren ließ. Während des Nachtablaufs ändert sich der Abstand und Winkel zum Ziffernblatt als Projektionsoberfläche ständig, sodass die Indexposition und Schärfe des speziell angefertigten Zeiger-Gobos konstant nachgeführt werden müssen. Die Steuerung der Sonnenuhr übernimmt ein Industrie-PC mit „grandMA onPC“ Software, der über einen Funkuhrempfänger mit dem aus Frankfurt ausgestrahlten Zeitsignal synchronisiert wird. Die eigentliche Programmierung der Uhr wird durch die in der grandMA-Software integrierte astronomische Echtzeituhr sekundengenau geführt. Die Abhängigkeit der Einschaltzeit von Sonnenauf- und Sonnenuntergang hilft, die Lampenlebensdauer des Scans zu verlängern.“

„Im Rahmen von abendlichen Stadtführungen lässt sich die Uhr in einen Präsentationsmodus schalten, der die Zeit- und Sonnenlinien, die Sternzeichen und den Verlauf der 12-Uhr-Linie, durch Licht und Farbe akzentuiert, erklären hilft“, erläutert Kunkel weiter, „Obwohl wir nur ein Moving Light zur Verfügung haben, sind während der Programmierung über 760 einzelne Lichtstimmungen entstanden. Um den störungsfreien Betrieb der Uhr in 365 Nächten im Jahr zu gewährleisten ist ein VPN (Virtual Privat Network) Zugriff auf die „grandMA onPC“-Software eingerichtet worden, der eine Fernwartung und Programmierung der Uhr über das Internet von jedem beliebigen Standort aus möglich macht.“

Wie komplex die Berechnungen für eine derartige Uhr sind, wird dem Außenstehenden klar, wenn er berücksichtigt, dass die Erde keine Scheibe ist, sie sich in einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt und die Erdachse eine leichte Neigung aufweist. Der Künstler Christian Tobin verbrachte aufgrund dessen drei Monate damit, die nötigen Markierungen auf den Theaterplatz aufzubringen. Jetzt steht bereits ein neues Projekt bevor. Es ist wieder eine Sonnenuhr – diesmal jedoch auf dem Wolkenkratzer „Time Place“ in Dubai.