Drum Cafe engagiert sich für Japan (2011-07-07)
Das Nico Nico
In einer Charity-Aktion führt das Unternehmen Drum Cafe, das international jeden Monat rund 250 Team- und Motivationsevents für Firmen und Organisationen anbietet, seit dem 16. Mai Veranstaltungen für die Opfer in Japan durch. Matthias Jackel vom Drum Cafe Deutschland fuhr am 19. Juni für eine Woche nach Japan um das Projekt zu unterstützen und zu dokumentieren.
Ein Bericht von Matthias Jackel:
Ca. 373km nordöstlich von Tokio und 130km östlich von Sendai ist es am 11. März 2011 passiert. Die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben und nachfolgendem Tsunami und Kernschmelze von der heute, Ende Mai 2011, irgendwie kaum einer mehr so richtig spricht. Man mag es auch kaum glauben, denn auch nach weiterer, stundenlanger Fahrt nach Tokyo und Sendai stellt sich das Gefühl von Katastrophe nicht ein. Im Land der aufgehenden Sonne sind die Menschen diszipliniert und die Metro wie die Züge bis zur U-Bahn noch sauber und ohne jedes Graffiti. Wenn man dann in einem etwas besseres Restaurant auf die Toilette geht ist das Bild von "ich fahre in ein Katastrophengebiet" vollends ins Wanken geraten. Toiletten in Restaurants, die gleichzeitig elektronisches Bidet sind und deren Toilettenring beheizt ist. Davon hat sicher jeder schon mal geträumt, wenn er sich im Winter auf sein eigenes Keramik setzte. Das Gefühl ist beim ersten Mal aber doch gewöhnungsbedürftig.
Zumindest bis inklusive zur Deutschen Botschaft in Tokyo sieht doch alles ganz normal aus hier ...
2011 ist das 150. der Partnerschaft zwischen Japan und Deutschland. Das wurde mir erst klar, als ich in der Deutschen Botschaft in Japan Broschüren las, auf meinen Termin wartend, um dieses Projekt auch hier näher vorzustellen. Das Wissen um dieses Jubiläum war bei weitem nicht das Einzige, was ich in der kommenden Woche lernen sollte!
Zum Zeitpunkt des Bebens war das Drum Cafe Büro in Sendai erst gut ein Jahr vorher gegründet worden. Nach dieser Katastrophe lagen das professionelle Eventgeschäft und die Fortbildungsbranche erst einmal brach. Die Infrastruktur zur Durchführung von interaktiven Motivations- und Teambuilding-Events, in denen alle Teilnehmer, egal ob 10 oder mehrere 1.000 eine eigene Trommel erhalten war aber vorhanden. Da fiel die Entscheidung leicht, dieses Angebot jetzt denjenigen zugute kommen zu lassen, die es am meisten brauchen. Den Kindern und Erwachsenen, die ihr Haus, ihren Job, Freunde oder Verwandte verloren haben und in den Notunterkünften, Krankenhäusern, Schulen oder Kindergärten leben und arbeiten. Der japanische Botschafter in Südafrika wurde kurzerhand zu einem Event in Johannesburg eingeladen um sich ein eigenes Bild der Wirkung eines Drum Cafe Events zur Gemeinschaftsförderung und zum Stressabbau zu machen - und war begeistert. Die Veranstaltungen in Japan verfolgen seitdem genau ein Ziel:
Die Menschen wieder oder noch mehr Mut schöpfen zu lassen, indem sie mit den Künstlern von Drum Cafe etwas Unerwartetes erreichen und wieder ein Lachen im Gesicht erhalten.
Die ersten Anzeichen, dass etwas anders, ist finden sich in Sendai. Denn hier mit den vergleichsweise geringen Schäden fällt die schwache Beleuchtung in den Gebäuden auf. Das kommt, weil nur etwa jede 5. Lampe brennt, nach wie vor wird Strom gespart. Schulen sind teilweise geschlossen und die Klassen werden in intakten Gebäuden zusammengelegt. Eine Herausforderung für die Schüler wie für die Lehrer, in dieser angespannten Situation als Gemeinschaft einen neuen Klassenverbund aufzubauen. Genau da setzt das erste Projekte an, das wir am Dienstag begleiten dürfen an. Ich werde an diesem Dienstag auf der Fahrt schon gewarnt, was mich am nachfolgenden Mittwoch erwarten wird. Mir kommt in Erinnerung, dass ich auf vielen japanischen Magazinen den Begriff 3/11 sehe. In Anlehnung an die Zerstörungen damals bei Nine-Eleven ist das eine eher beunruhigende Analogie.
Am Dienstagmorgen geht es zu Shibiku Hoikusho. Ein Kindergarten etwa 40Km von Sendai entfernt. Dort lerne ich Margriet Blaauw, M.D. kennen, die sich mit Psychosozialen Programmen befasst und 6 Monate lang die japanische Sektion von Plan International dabei unterstützt, vor allem für Kinder Notfall- und Aufbauarbeit in japanischen Gemeinschaften zu leisten. Margriet Blaauw erklärt dazu:
„Psychosoziale Programme befassen sich damit, wieder einen Sinn für Gemeinschaft zu schaffen und Gemeinschaften zusammenzuführen, nach allem, was hier passiert ist. Damit die Menschen etwas gemeinsam unternehmen, sich austauschen und so ihre Probleme besprechen, wenn sie möchten.“
Wir haben gut 100 Trommeln dabei, die wir in der Turnhalle verteilen. Von Drum Cafe treten drei Künstler auf: Hirufumi Tsukamoto aus Japan, der die Basstrommel spielt sowie Nkhensani Kubayi und Inock Mahlangu, beide aus Johannesburg, Südafrika, ausgezeichnete Djembé-Spieler und extra für dieses Projekt vor Ort. Die Einrichtung betreut Kinder im Alter von 2-5 Jahren. Der Tsunami hat hier keine Schäden angerichtet aber Gebäude wurden vom Beben beschädigt, Gruppen mussten neu zusammengestellt werden, die Grundversorgung mit Wasser, Essen, Strom und Gas war lange nicht gesichert und viele Kinder leben in Familien, wo Freunde und Verwandte noch viel schlimmer von der Zerstörung betroffen waren. Die Kinder schauen erwartungsvoll und doch auch skeptisch, als sie den Raum betreten. Kurz werden sie von der Leitung des Kindergartens begrüßt und das Drum Cafe Team angekündigt.
Die Drei betreten trommelnd den Raum. Es folgt ein Spiel aus einfachen Trommelrhythmen, Klatschen, witzige Aktionen zum Locker werden wie reiben der Hände und pusten der Fingerspitzen. Es werden also zunächst Dinge gemacht, welche die Kinder einladen, einfach sind, Freude machen. Der Grundrhythmus zieht sich durch die ganzen 45 Minuten und die Kinder spielen immer anspruchsvollere Takte, bis sie weitere Percussioninstrumente erhalten, mit diesen vorne auf der Bühne spielen, tanzen, singen, lachen, sich gegenseitig zuhören, Spaß haben und mächtig stolz auf sich selber sind.
Margriet Blaauw sagt nach dem Event: „Da war zuerst eine große Reserviertheit aber Stück für Stück haben sich alle darauf eingelassen. Es war fantastisch das mit anzusehen. Die Menschen haben ganz sicher heute Abend etwas zum Bereden.“
Und Mia Kashiwade, die für das einjährige Notfall- und Aufbauprogramm von Plan Japan für die Kinder in Tohoku zuständig ist fügt hinzu: „Ich habe den Drum Cafe Event sehr genossen. Es war sehr, sehr gut und die Kinder die ich sah waren so begeistert und mit Freude dabei.“
In Deutschland führen wir wenige Events für Kinder durch und wenn dann bisher noch nicht für Kinder ab 2 Jahren. Das Konzept ist natürlich etwas anders als für Erwachsene, angepasst an die Möglichkeiten der Kinder und noch spielerischer. Es fällt aber auch auf, dass in japanischen Kindergärten eine sehr gesunde Disziplin herscht. Schon hier erkennt man einen hohen Respekt füreinander und für das, was man tut. Aus diesem Respekt und der damit ganz natürlich verbundenen ersten Aufmerksamkeit kann sehr schnell etwas wachsen, das die Kinder dann auch lange fesselt, wenn es gut ist. Ich lerne von den Vorteilen dieser Kultur gleich am ersten Tag während ich 2-jährige beobachte. Das ist erstaunlich und mit diesen ersten positiven Eindrücken geht der Tag zu Ende.
Mit der Warnung am Dienstag war ich irgendwie auf die sichtbaren Zerstörungen unserer Tour am Mittwoch gefasst. Bei unserem morgendlichen Besuch im Sirayuri Kindergarten in Miyako City war diese noch nicht zu bemerken, denn die Bevölkerung hatte hier unglaubliche drei Monate Aufräumarbeit geleistet. Worauf ich viel weniger gefasst war, ist die Zerstörung in den Herzen und Seelen der Kinder. Wenn man in hunderten von Veranstaltungen vor Publikum steht und mit diesem interagiert, dann bekommt man ein sehr feines Gespür für die Schwingungen, die in einer Gruppe stecken. Wenn man dann vor eine Gruppe von 5 bis 6-jährigen Kindern steht, die in vielen Fällen direkt Haus und Teile der Familie verloren haben, dann kann man die Verunsicherung und Verängstigung der Kinder geradezu physisch spüren. Man hat das Gefühl durch die Augen der Kinder zurück in die Zeit des Grauens zu schauen, das sie gesehen haben. Hier geht es nicht mehr darum Mitarbeiter zu motivieren oder ein Team zu formen. Hier geht es darum, Kindern in einer Situation zu begegnen, denen vor rund drei Monaten buchstäblich der Boden unter den Füßen weggespült wurde. Dass diese Kinder für wenige Minuten zu vergessen vermochten und doch Schmunzeln und Lachen über die Lippen huschten, war hier der große Erfolg, der erreicht werden konnte.
Am Mittag ging es weiter zu Otsuchi cho Kiri kiri Junior Highschool. Der einzigen noch stehenden Schule der Region. Ich stand auf einer Anhöhe kurz vor der Schule vor einem Haus, dass zum Großteil zerstört wurde. Strommasten liegen abgeknickt davor. Mein Blick geht zum Meer und findet es gut 500 Meter entfernt und über 30 Meter tiefer liegend. Das Wasser hat sich in dieser langen Bucht durch die Untergrundstruktur auf unglaubliche 38 Meter aufgetürmt und hunderte von Metern ins Land hineingedrückt. Hier ist ein Großteil der Regierung gestorben, so dass diese fast komplett neu gewählt werden muss, hier haben alleine vier der Schüler, die an dem Drum Cafe Event teilnehmen ihre Eltern verloren. Da die Gymnastikhalle die einzige Halle war und ist, die noch steht, findet hier der Drum Cafe Event statt - In der gleichen Halle, in der auch die Leichen des Unglücks aufgebahrt waren. Eigentlich unvorstellbar. 7.7000 Menschen werden in Japan immer noch vermisst und alleine in dieser Woche wurden hier noch acht Leichen geborgen. Der Geruch ist unvorstellbar, weit jenseits einer Müllhalde im Sommer bei 40 Grad und ohne einen Mundschutz kaum zu ertragen. Von hier stammen die schlimmsten Bilder der Verwüstung, die wir mitgebracht haben. Dabei war es nicht annähernd der Ort der schlimmsten Verwüstungen in Japan insgesamt. Damit war es dann aber auch eines der schönsten Gefühle, nachdem wir die Kinder im Trommeln völlig aufgehen sahen. Nach dem Event sprachen wir dem stellvertretenden Schulleiter Kiri Chu:
„Wir hatten bis jetzt keine Chance uns von Herzen zu freuen oder unsere Gefühle heraus zu lassen. Das heute war eine gute Gelegenheit dazu. Wir haben schon Sport und Gesang ausprobiert, das heute ging aber weit über diese Erfolge hinaus. Nach dem Event hatten alle wieder ein „normales Lachen“. Es hat wirklich gut funktioniert.“
Am Donnerstagabend und Freitagmorgen sind wir zu Gast im "The Cafe" in Sendai. Das Cafe hat einen Hauch von Rauchschwaden unter der Decke und einen spannenden, leicht angebrannten Geruch in der Luft. Hier wird der Kaffee erst kurz vor der Zubereitung fertig geröstet und getrocknet. Wir treffen in diesem Cafe auf Mitglieder des Tohoku Women Club. Der Club wurde vor einem Jahr von Kuniko Chiharada gegründet und hat sich zur Aufgabe gemacht, seinen Mitgliedern Programme für mentale Gesundheit und emotionales Wachstum anzubieten. Der Drum Cafe Event wird den Mitgliedern im Rahmen des Seminarangebots und aufgrund der besonderen Umstände durch den 11. März angeboten. Auch hier haben einige Haus und Familienangehörige verloren, doch die meisten blieben vom Tsunami verschont. Sie litten vor allem unter dem enormen Mangel an Grundversorgungsgütern nach dem Unglück. Obwohl die Auswirkungen auf die Familien katastrophal waren, beeindruckt die Geduld der Menschen. "Es gibt viele Menschen die noch Schlimmeres erlebt haben und in noch mehr Elend leben". Die Gründerin des Clubs, die aus Bangkok zugezogen ist, beschreibt dieses Verhalten für sie selbst als Kulturschock: "Egal wie sehr die Menschen unter Schock stehen, sie scheinen sich selbst keine Erlaubnis zu geben, Emotionen zu zeigen." Um so mehr erstaunte, wie sehr die Menschen in dem Drum Cafe Event aus sich herausgingen. Es wurde Musik gemacht, mit Rhythmen experimentiert, gefeiert, gelacht, gesungen und getanzt. "Das hat mich bewegt. Ich habe wieder gespürt dass ich lebe!" war der Kommentar einer Teilnehmerin, die direkt nach dem Event auf mich zukam. Kuniko Chiharada sagte dazu: "Dieser Event war eine Chance, endlich einmal diesen Gefühlen freien Lauf zu lassen und es hat so wunderbar funktioniert!"
Eine skurrile Situation ergab sich noch während der erste Session in diesem Cafe. Zeitgleich fand ein Beben der Stärke 6,7 statt. Am Standort des Events war es noch mit der Stärke 4-5 spürbar. Die deutschen Nachrichten berichteten darüber als starkes Nachbeben, das Japan wieder in Panik versetzte. Nicht aber die Teilnehmer des Events. Denn diese merkten im Eifer des Tuns von den Bewegungen gar nichts und hörten erst danach davon ...
Der erste Event am Samstag findet in Toumarisaki-sou statt und damit wieder mitten in einem Gebiet, das extrem durch den Tsunami zerstört wurde. Wir werden von zwei Kamerateams des japanischen Fernsehens begleitet. Ich sehe ein Hotel mit zwei Stockwerken, etwa 300 Meter vom Meer entfernt, und auf dem Dach liegt ein Auto. Neben dem Hotel ist eine Schule mit der gleichen Höhe, auf dessen Dach die Kinder vergebens Zuflucht gesucht hatten. Im Grunde kann ich gar nicht verstehen, wie Menschen mit diesen Bildern umgehen können. Das Meer, das sich vor den Augen zur Höhe eines Hochhauses auftürmt und in Sekunden eine ganze Ortschaft in Trümmer zerlegt und dabei alles Leben und Material mit sich reißt. Ich erfahre von einem Psychologen, dass ein Ereignis wie ein Tsunami die gesamte Wahrnehmung eines Menschen ändert. Was er für sicher hält, die Hoffnungen für die Zukunft, die Beziehungen und die Gemeinschaften. Ich erfahre auch, dass die Selbstmordrate enorm gestiegen ist. Viele Mitglieder der Armee können mit den Bildern, die sich ihnen bieten, nicht umgehen und selbst Kinder in der Grundschule nehmen sich das Leben.
Wir sind in einem typischen japanischen, einfachen Hotel, welches immer noch als Notunterkunft genutzt wird. Die Menschen die hier leben, haben noch keine Bleibe, nicht einmal in den temporären Unterkünften die an vielen Orten von der Regierung eingerichtet wurden. Nach wie vor gibt es in der gesamten Bucht kein Wasser und kein Gas. Strommasten und Leitungen wurden schon wieder aufgebaut, der Rest wird täglich von außen gebracht. Entsprechend zurückhaltend sind die Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung. Wir starten den Event mit nur fünf Kindern und drei Erwachsenen auf den Stühlen. Einige ältere Bewohner sitzen am Rand und schauen zu, winken freundlich ab. Einige Kinder stehen im Türrahmen zu dem Raum, kommen immer wieder mal rein, gehen wieder heraus, nehmen sich einen Stuhl, dann eine Trommel, setzen sich aber im sicheren Abstand von gut 10 Metern hinter die Gruppe und werden erst einmal warm mit der Sache. Kaum zu glauben, dass nach 45 Minuten doch alle 30 Plätze belegt sind, alle beieinandersitzen und ein Gedrängel um die zusätzlichen Percussiongeräte entsteht, mit denen man auch auf der Bühne tanzt. Am Ende muss eine Zugabe her, weil eine ältere Dame gar nicht aufhören möchte zu tanzen. Wir fahren mit einem tiefen und zufriedenen Gefühl 40km an dem Chaos der Küstenstrasse entlang zum nächsten und für mich leider letzten Event dieser Reise. 40km klingen sehr weit doch tatsächlich sind auf einer Länge von 500km alle Siedlungen unterhalb einer Linie von 10-30 Metern über dem Meer zerstört.
Jetzt noch einmal mit Kindern in Kaiyou Seinen, in einer Schule etwa in der gleichen Region wie morgens. Wir sollen wiederkommen sagt der Leiter der Einrichtung danach, damit wir das mit größeren Gruppen wiederholen können. Gerne! Die Gespräche mit starken Kinder-Hilfs-Organisationen wie „Plan International“ oder „Save the Children“ haben zumindest begonnen. Doch es bedarf mehr Unterstützung aus der Wirtschaft, um ein solches Projekt über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Die Kosten liegen (nur) bei etwa 20.-25.000$ pro Monat. Die Teilnehmer und Leiter der Einrichtungen wurden nach dem Event immer befragt. Eine kleine Auswahl der bewegendsten Kommentare zeigt, dass sich das lohnt.
„Ich habe mich so gefreut, die Menschen wieder miteinander lachen zu sehen.“
„Ich habe fast alles verloren. Stress, Schock und Energielosigkeit überdecken alle meine Gefühle. Es ist lange her dass ich alles laut rauslassen konnte. Die Trommel ist mein Freund geworden.“
„Ich fühlte mich verbunden und vereint. Ich hätte nie gedacht, dass man nur durch Trommeln so viel Freude erleben kann.“
„Ich habe seit dem Beben nicht mehr so gelacht und bin überrascht, wie viel Energie noch in mir steckt.“
„Die Drum Cafe Session hat mir viel Zuversicht gegeben, die ich jetzt auch anderen zeigen kann.“
„Mein Haus ist zerstört. Ich habe meinen Job verloren. Aber heute hatte ich wieder Freude im Gesicht und konnte lachen. Ich schätze es sehr, was sie heute für uns getan haben.“
„Das hat mich bewegt. Ich habe wieder gespürt, dass ich lebe.“
Jetzt bin ich 45 Jahre in einer Kultur aufgewachsen, die sich vor allem durch ihre Sachlichkeit und Effizienz auszeichnet. Ich muss an dieser Stelle mit einem Vorurteil bzgl. der asiatischen Freundlichkeit brechen. Zumindest für Japan. Es ist nicht so, dass deswegen irgendetwas langsamer geht oder das besonders aufgesetzt ist oder wirkt. Man reagiert und arbeitet hier mindestens ebenso effizient, schnell und effektiv. Aber man nimmt sich für jeden Moment einer menschlichen Interaktion die Zeit, diese mit Respekt und Aufmerksamkeit durchzuführen. Man ist einfach anwesend, wenn man sich mit anderen Menschen befasst. Das kann nicht falsch sein, es tut sogar ziemlich gut. Wenn man in seinem Berufsleben schon tausende Visitenkarten verteilt hat, die schnell in der Hand und der Tasche verschwanden, dann gibt es ein warmes Gefühl im Bauch, wenn die mit beiden Händen und in Leserichtung überreichte Karte genauso mit beiden Händen vom Gegenüber empfangen, betrachtet und mit einer körperlichen Geste bedankt wird. Man muss es mehrfach erleben, um es zu verstehen. Ich verneige mich vor einem Land mit seiner Disziplin, seiner Geduld, seinem Optimismus und seinem Respekt für die Menschen, dem es wohl vor allem aufgrund dieser Charaktereigenschaften gelingt, mit dieser Katastrophe so schnell umzugehen. Einer meiner letzten Blicke fiel auf ein Plakat in einem Cafe. Übersetzt stand da:
Laufe nicht vor mir, denn es könnte sein, dass ich Dir nicht folge.
Laufe nicht hinter mir, denn es könnte sein, dass ich Dich nicht führe.
Laufe einfach neben mir und sei mein Freund.
Ich fahre tief bewegt wieder zurück nach Deutschland, wo Erdbeben der Stufe 9 und Tsunamis kein Thema sind. Mögliche Kernschmelzen wohl schon. Auch hier liegt die Methode der Lösung schon auf der offenen Hand: Gemeinsam und mit Respekt füreinander!
Den bewegenden Filmbericht zu dieser Reise finden Sie unter dem Suchbegriff "Drum Cafe Nico Nico" in Youtube.
Quelle bzw. Informationen von:
Drum Cafe Trommelevents und Trainings
 
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