Studieninstitut für Kommunikation GmbH / Düsseldorf, 23. September 2014

„Wir mussten bei voller Fahrt umlenken“

Lesedauer 4 Minuten

Anders als geplant – Eventbranche statt Klassenzimmer

Sekundarstufen-Lehrer, das war Michael Hosangs Traumberuf. Klares Ziel, klarer Weg. Doch dann die Ernüchterung: Mit seiner Fächerkombination Sport- und Sozialwissenschaften gab es trotz gutem Abschluss keine Chance, in den Schuldienst einzutreten. Also musste ein neuer Plan her.

Statt sich wie andere „gestrandete“ Akademiker bei großen Firmen oder Banken zu bewerben, nutzte er die Chance, seine Leidenschaften zu kombinieren. Während des Studiums jobbte Michael für eine Dortmunder Produktionsfirma und hatte dort bereits Eventluft geschnuppert: „Von der Planung bis zur Ausleuchtung der Bühne war alles dabei.“
So wurde er als Pädagoge mit Eventaffinität freiberuflicher Autor und Ausbildungsleiter für eine kleine Ausbildungsstätte in Münster und formulierte u.a. neue Studienhefte zu den Themen Sportmarketing und -sponsoring. „Damit habe ich den ersten Schritt in die private Weiterbildungsbranche gemacht“, erzählt Michael. „Danach ging es rasant weiter: Mit dem Auftrag einen Sport-Sponsoring-Kongress zu organisieren bin ich wie die Jungfrau zum Kinde in den Veranstaltungsbereich gerutscht.“ Bei der Nachbereitung dieses Auftrags wurde Michael schnell klar, dass es an vielen Stellen im Eventbereich Weiterbildungsbedarf gibt. Mit Tom Inden-Lohmar, dem Autor des Fachbuchs „Alles Event?!“, der die Branche damit erstmals auf diese Weise beleuchtet hat, formulierte er einen Workshop und damit auch Inhalte für die erste Event-Weiterbildungsreihe in Deutschland. Namhafte Kooperationspartner für die Seminardurchführung ließen sich schnell überzeugen. „Das ging durch die Decke!“ ist Michael noch heute begeistert. „Wir haben Seminare vor Ort angeboten, die wir mit der Expertise von Referenten der Firmen kombiniert haben.“

Mit dem Ausbau einer guten Idee zum Studieninstitut

Ein Grund zu Feiern: 20 Jahre Wissen tanken und Wissen teilen im Studieninstitut für Kommunikation GmbH

Ein Grund zu Feiern: 20 Jahre Wissen tanken und Wissen teilen im Studieninstitut für Kommunikation GmbH

Aus den Überlegungen, wie man die Wertschöpfung dieser ersten Eventweiterbildung noch weitertragen konnte, entstand 1998 das Studieninstitut für Kommunikation. Basis- und Aufbaukurse, die alle Felder der Eventkommunikation abdecken, wurden entwickelt, IHK-Zertifizierungen für die Kurse erreicht und schließlich Kooperationen unter anderem mit der TU Chemnitz ins Leben gerufen. Heute ist das Studieninstitut eine GmbH mit Schulungsräumen in Düsseldorf, München, Hamburg und Berlin. Viele Kurse sind IHK-zertifiziert und durch die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht als Fernlehrgänge zugelassen. Mehrere Hundert Teilnehmer profitieren jährlich von den berufsbegleitenden Weiterbildungsmöglichkeiten und Trainings. 20 Jahre Erfolgsstory.

Corona-Krise: Vollbremsung und Metamorphose

„Bis Corona fühlten wir uns pudelwohl! Aber die Pandemie stellte unser Studieninstitut vor eine Wahnsinnsherausforderung. Von jetzt auf gleich wurden wir in voller Fahrt ausgebremst“ erzählt Michael. Doch auch diese Vollbremsung wusste das Team zu nutzen. „Tatsächlich ist Corona für uns auch ein Booster.“ In der Schreibtischschublade schlummerten bereits Digital-Konzepte: Blended-Learning-Lernformen, also die Kombination von Präsenzunterricht und E-Learning, Ideen, wie auch Prüfungen digital abgenommen werden können und und und. „Schwierig wurde es bei der Frage, inwieweit die IHK-Zertifizierungen und die Zulassung der Zentralstelle für Fernunterricht auch für unseren neuen digitalen Weg gelten würden.“ Aber auch hier fanden sich Lösungen. „Wir haben eine Art Metamorphose durchgemacht –und sammeln weiter Tag für Tag neue Erfahrungen in Punkto Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Wissensvermittlung.“ Eine andere Möglichkeit gab es auch nicht, denn durch die strengen Vorschriften, gerade auch, was die Reisemöglichkeit der Teilnehmer angeht, war jeglicher Präsenzunterricht ausgeschlossen.

Neue digitale Wege für den Unterricht

Die Zeit der leeren Räume neigt sich dem Ende entgegen: Die ersten Seminare konnten bereits wieder starten.

Die Zeit der leeren Räume neigt sich dem Ende entgegen: Die ersten Seminare konnten bereits wieder starten.

Natürlich kann man Unterrichtskonzepte für den Präsenzunterricht nicht eins zu eins digitalisieren. Von 10.00 bis 17.00 Uhr konzentriert am PC so effektiv lernen wie im Seminarraum, das funktioniert nicht. Schon nach kurzer Zeit sinkt die Aufmerksamkeitsspanne rapide und die Ablenkungsmöglichkeiten sind riesig. „Die Kunst beim digitalen Lernen besteht darin, den Unterrichtsstoff so zu portionieren, dass keine Überfrachtung entsteht. Sozusagen „Education to go“ erklärt Michael. „Das funktioniert nur mit lebendiger Interaktion. Ich ziehe meinen Hut vor unseren Referentinnen und Referenten, denen es gelungen ist, diesen Weg zu meistern. Einige schaffen es auch, den üblichen Stoff in der üblichen Zeit auch digital zu vermitteln. Das ist wirklich nicht leicht!“ Mit Software, die Konferenzlösungen anbietet, interaktiven Webinaren und anderen E-Learning-Formen gelingt es dem Studieninstitut, die Kurse in der gewohnten Qualität anzubieten und gleichzeitig der jeweiligen Studienordnung, den Anforderungen der IHK und den Auflagen der Zentralstelle für Fernunterricht gerecht zu werden.

„Balance zu finden ist das, was wir im Moment tun: Wo ist welcher Weg gangbar? Was funktioniert für welches Thema? Wie lassen sich Inhalte splitten, um kürzere Einheiten zu etablieren?“ Zeitintensive Überlegungen und Umstrukturierungen, die die zehn Stammmitarbeiter und die vielen Referenten des Studieninstituts während der Lockdown-Phase komplett im Homeoffice bewältigt haben. Das ad hoc-Ausstatten der Homeoffices mit der nötigen Technik und das Umstellen auf virtuelle Meetings war eine noch recht leicht zu bewältigende Herausforderung. Durch die bundesweit verteilten Seminarstandorte muss sich Michael aber vor allem permanent mit den regional geltenden Vorschriften auseinandersetzen: „Was in einem Bundesland geht, geht nicht zwangsläufig überall. Das macht es oft umständlich und aufwändig.“

Schrittweise zurück in den Alltag

Mittlerweile ist der „Seminar-Apparat“ wieder angelaufen und das erste Wochenendseminar wurde unter strengen Hygieneauflagen abgehalten. „Was mich überrascht hat, ist, dass von 14 angemeldeten Teilnehmern 13 tatsächlich gekommen sind. Das zeigt, dass wir nicht alles wegdigitalisieren können. Unsere Begegnungskultur ist immens wichtig, und ich hoffe, dass wir schnell wieder zu einem sorgenfreien Miteinander finden können,“ fasst Michael seine Eindrücke des ersten Wochenendes zusammen.

Auch ins Büroleben kehrt der Alltag stückweise zurück. „Ich bin froh, dass viele staatliche Stellen sich neuen Wegen viel mehr geöffnet haben, als es vor der Krise jemals denkbar gewesen wäre,“ sagt Michael und auch, was Kooperationen innerhalb der Branche angeht, ist er mehr als zufrieden. „Gemeinsam mit der doo GmbH, einem Unternehmen, das sich mit Teilnehmermanagement, Live-Kommunikation und Events beschäftigen, konnten wir ein Webinar zu den Herausforderungen bei virtuellen Events anbieten. Mit Moderation, Experten, Kameratechnik – absolut professionell und mit immensem Teilnehmerengagement: Fast 3.000 Teilnehmer, 2.600 Votes und über 300 Fragen, die wir direkt beantworten konnten.“

Alles in allem weiß Michael, dass er mit dem Studieninstitut trotz Corona-Pandemie auf festen Füßen steht. „Der Bildungsbereich ist hier sicher anders zu bewerten als die meisten anderen Gewerke innerhalbe der Eventbranche – zumal wir uns inhaltlich nicht nur auf das Themenfeld Event fokussieren. Wir wurden massiv ausgebremst und mussten umlenken, jetzt geht es jedoch schon wieder weiter. Aber was mir im Moment wirklich große Sorgen macht, sind die Sorgenfalten auf der Stirn bei vielen unserer wertgeschätzten Kunden und Branchenkollegen, denen einen solche Krise sicher noch weit mehr zusetzt.“