Mikrotech Gefell M 900Test-keramik-mikrofone-test

Keramik-Mikrofone im Promi-Live-Test

Ich habe seit Mai zwei Microtech Gefell M 900 für ein anspruchsvolles Sprachprojekt im Einsatz. Die PAs in den Locations sind immer sehr unterschiedlich. Das Mikro macht bislang überall und mit allen einen exzellenten Job. Das kann man erwarten. Es ist ja auch nicht billig. Das M 900 war mir nicht unbekannt, da ich es schon mal für einen Vergleichstest von Bühnengroßmembrankondensatormikros mit dem Audio Technica AE 5400, dem Sennheiser 965 und einem Lewitt geliehen hatte.

Natürliche aber nicht analytische Wiedergabe

Das M 900 überzeugt durch eine natürliche aber nicht analytische Wiedergabe der Schallquelle. Es lässt sich für Sprache optimal platzieren, so dass der Nahbesprechungseffekt nach Belieben genutzt werden kann. Den Kopf kann der Sprecher gut bewegen, da das Mikro auch Off-Axis sehr natürlich bleibt, was normalerweise die Domäne von Kleinmembrankondensatoren ist. Für Lesungen ist das nicht unwichtig.

Verschiedene Kapseltypen

Keramik-Mikrofone

Microtech Gefell hat üblicherweise zwei Kapseltypen.

Es kommt auch mit unterschiedlichen Stimmen sehr gut zurecht. Microtech Gefell hat üblicherweise zwei Kapseltypen, um die es seine Großembrankondensatormikros baut: die M7, die klassische Georg-Neumann-Entwicklung, und die „moderner“ Abgestimmte 930er mit betonterem Top-End. Im M 900 steckt nun die dritte Kapselvariante und die ist aus Keramik und wurde ursprünglich mal für den Vorgänger PM 860 zusammen mit dem russischen NIKFI, Cinema and Photo Research Institute, entwickelt. Dabei war das legendäre sowjetische Röhrenmikro Lomo 19A19 trotz äußerlichen Übereinstimmungen kein Vorbild.  Während die Keramikelektrode für das PM 860 bei den sowjetischen Brüdern gefertigt wurde, stammt sie beim M 900 aus deutscher Fertigung. Sie ist mit einer goldbeschichteten Polyestermembran bestückt.  Dabei hat die Kapsel den Großembrandurchmesser von 25 Millimetern. Mit einer Klammer ist sie im konischen Korb befestigt.

Keramik-Mikrofone und ihr Klang

Keramik-Mikrofone im Test

Die Mikros im Test: Transitraum Else London, 6.12.2017 mit Claudia Gahrke und John Nettles.

Der Klang ist sehr sauber, der Rauschabstand ist sehr günstig. Bei uns wurden die Keramik-Mikrofone auch für Live-Mitschnitte benutzt, wo sie so ebenfalls ein gute Figur machten: ob jetzt Inspector Barnaby oder Pippi Langstrumpf hineinsprachen. Im Goethe-Insitut Stockholm konnte Inger Nilsson zusammen mit den M 900 und dort vorhandenen Geneleclautsprechern brillieren. Nur in Los Angeles, wo eine Bose L1 bereit stand, hatten wir im Salon von Lion Feuchtwanger mit Feedbacks zu kämpfen. Nach dem Austausch der Boseanlage gegen JBL-Monitore, war dem Spuk aber schnell ein Ende gesetzt. Mit der wunderbar modulierten Männerstimme von Shakespeareschauspieler und Barnabydarsteller John Nettles wussten die M 900 ebenfalls zu entzücken.

Details zum Mikro

Keramik-Mikrofone

Das Mikro im Einsatz im Transitraum Else Stockholm am 24.5.2017 mit Inger Nilsson.

Das Mikro hat ein gutes Fundament und ein fein funkelndes Top-End. Es lohnt im Einsatz, vor allem wenn die PA auch in der Lage ist, das halbwegs exakt umzusetzen. Es ist mit + 1.200 Euro nicht billig, spielt aber auch in der Liga der Schoepssolistenmikrofone.

Was wäre noch zu sagen: Das Mikro hat eine leichte Höhenanhebung, was die Durchsetzungsfähigkeit unterstützt. Es verfügt über zwei Dipschalter, die Richtung XLR-Buchse auf die Stellung „ein“ verschoben werden können. Der eine dient der Bassabsenkung (10dB bei 90 HZ), die sehr praktisch ist um Trittschallrumpeln zu unterdrücken, der andere einer generellen 10dB-Vordämpfung für lautere Schallquellen.

Das Mikro wird, wie bei Bühnenmikros heute üblich axial besprochen bzw. besungen. Der Frequenzbereich wird mit 40 bis 18.000 Hz angegeben. Der Dynamikumfang des Mikrofonverstärkers ist mit sehr ordentlichen 120 dB angegeben. Der Grenzschalldruck mit 133 bzw. 143 dB bei einem Klirrfaktor von 0,5 %! Werte, die die Praxis nicht widerlegt hat. Der Ersatzgeräuschpegel ist mit 13 dB – A sehr günstig für ein Bühnenmikro. Die Niere wird sehr ordentlich über das gesamte Spektrum eingehalten. Als M 910 gibt es noch eine Hypernierenvariante.