Urbanatix Beitragsbild

3 Fragen an: Christian Eggert – Initiator von Urbanatix und Open Space in Bochum

Christian Eggert hat vor 29 Jahren die Agentur DACAPO gegründet und ist der Kopf und Regisseur von URBANATIX. Jedes Jahr im November kommen Trendsportler „von der Straße“ aus dem Ruhrgebiet für drei Wochen mit Artisten aus der ganzen Welt in der Bochumer Jahrhunderthalle zusammen. Dort wird eine Showproduktion erarbeitet die 20 mal vor bis zu 1250 Zuschauern aufgeführt wird. Elemente wie Trampolin, Tricking, Parkour, Breakdance und Akrobatik mit und ohne BMX-Räder werden mit internationalen Artisten kombiniert und in einem multimedialen Bühnenbild inszeniert. Uns hat er erzählt, wie alles begann…

Interview mit Christian Eggert, DACAPO – Kultur Offensiv

 memo-media: Herr Eggert, wie sind Sie in den Show- und Eventbereich gekommen?

„Ich mache das schon sehr lange. Damals gab es den Begriff ‚Event‘ noch gar nicht. Das hieß ‚bunter Abend‘ oder ‚Firmenabend‘ – und wir haben das, ich war damals 24, organisiert. Artisten, Bands, Künstler für den jeweiligen Anlass zusammen gestellt. Vor 29 Jahren haben wir die Agentur DACAPO – Kultur Offensiv zunächst als Gastspieldirektion gegründet und dann auch begonnen Shows zu inszenieren. Ich durfte sehr viel von tollen Regisseuren, Künstlern, Theater- und Lichtmenschen lernen. In dem Bereich gab es damals noch keine Ausbildung.

Seit 2010 gibt es URBANATIX. Es war zunächst nur eine Vision – und trotz anfänglicher Hürden hat sich aus der im Kulturhaupstadtjahr „RUHR.2010“ entstanden Idee eine nachhaltige Institution entwickelt. URBANATIX genießt weltweit Alleinstellungsmerkmal. Letztes Jahr haben wir für unsere Arbeit den europäischen Kulturpreis gewonnen. Das war eine wunderbare Bestätigung unserer Arbeit.

2016-11-16 Urbanatix Christian Glatthor Rocketchris Photography

Aus URBANATIX ist der Open Space entstanden. Ein Ort an dem alle jungen Menschen, Artisten, Tänzer und Streetartisten kostenlos trainieren können. Mit Aufnahme des Trainingsbetriebes im OPEN SPACE im Jahr 2015 hat sich die Anzahl der Jugendlichen, die sich professionell weiterentwickeln und eine berufliche Karriere im Bereich der modernen Bewegungskünste starten möchten, signifikant erhöht. Die Entwicklung einer beruflichen Ausbildung in diesem Arbeitsfeld war schon immer Teil der Idee von URBANATIX. Mit dem OPEN SPACE sind die ersten Voraussetzungen geschaffen, um der Idee, junge Bewegungskünstler auch beruflich zu qualifizieren, eine konkrete Gestalt zu geben und ein umfassendes Ausbildungskonzept zu entwickeln. Ein solches Konzept muss die angestrebte Ausbildung mit den vorhandenen Ressourcen und Möglichkeiten zusammenführen, so dass ein Dreiklang aus Bildungseinrichtung (Akademie), OPEN SPACE und URBANATIX entsteht. Geplant ist die Eröffnung der Akademie und des neuen Open Space an einem Ort für 2021. Bochum soll zu einem international anerkannten Zentrum für Moving Arts werden – zu einer Kraftzentrale für junge Menschen, die ihre unbändige Energie zukünftig in vielfältigen Formen der modernen Bewegungskünste und weiteren Kreativbereichen zum Ausdruck bringen sollen, und auch einen Beruf daraus machen wollen.“

„Bochum soll ein Zentrum für Moving Arts werden“, Christian Eggert

Sie suchen und entdecken regelmäßig neue Talente und Künstler. Worauf muss man dabei achten – und wie geht man überhaupt vor?

„Ich reise viel und gerne, schaue mich unter anderem in Paris, Budapest, Basel und auf vielen weiteren Festivals nach neuen Talenten um. Ich habe ein großes Netzwerk, die Macher kennen sich, man gibt sich gegenseitig Empfehlungen, tauscht sich aus, spricht über die Künstler. Es bestehen viele internationale Freundschaften – und manche von ihnen sehe ich häufiger in Paris, obwohl sie auch aus dem Ruhrgebiet kommen! Durch das Internet hat sich sehr viel verändert. Früher haben sich vor meiner Haustür die eingeschickten Videokassetten aus aller Welt gestapelt! Heute sind es „platzsparende“ Youtube-Links, die per Email zu uns kommen.“

Braucht man von diesem bunten Leben auch mal einen Ausgleich? Wie schafft man sich den?

„Durch die Familie, meine Kinder, die inzwischen schon groß sind. Ich mache viel Sport, auch das inspiriert mich. Ich gehe Laufen, hier an der Ruhr, spiele Tischtennis, fahre Fahrrad und Ski. Ich gehe gerne ins Theater und Kino. Bei all diesen Sachen kommen mir neue Ideen –  meistens nicht im Büro. Oft weiß man gar nicht mehr, wo die Basis war, wo die Inspiration eigentlich hergekommen ist. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und hole mir die Inspiration eigentlich überall. Außerdem liebe ich das, was ich mache! Ich unterhalte mich viel mit Künstlern und entwickle  neue Ideen für die Bühne. Das schafft Erfüllung und Freude und ist für mich keine Arbeit im eigentlichen Sinn. Auch dabei kann ich entspannen! Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind bei mir sehr fließend. Und genauso soll es auch sein!“

 

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