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Aerial-Artistin Veronica Fontanella – von Zufällen und Schicksal

„Alles passiert für dich“ – ein Satz, den mir ein guter Freund vergangenes Jahr mit auf den Weg gab und der mir während meines Gesprächs mit der Aerial-Artistin Veronica Fontanella öfter durch den Kopf schoss. Denn dass ihr Weg zur staatlich geprüften Artistin auf reinem Zufall basiert, wie sie sagt, kann ich fast nicht glauben. Und mein Gefühl bestätigt sich, als Veronica Folgendes ausspricht: „Als ich das allererste Mal die ganzen artistischen Requisiten im Kinderzirkus sah, war ich hin und weg. Ich würde sogar sagen, es war Liebe auf den ersten Blick.“ Zu dem Zeitpunkt war sie gerade einmal sechs Jahre jung.

Schon mit sechs Jahren in der Zirkusschule

Veronica war noch ein i-Dötzchen in der Grundschule, als ihre artistische Geschichte Wurzeln schlägt. Eine Freundin hatte sich nicht getraut, alleine den Kinderzirkus zu besuchen, und schleppte Veronica kurzerhand mit. Das war der Moment, in dem feststand, dass die Artistik für sie niemals nur ein Hobby, sondern eines Tages ihr Beruf sein würde. Unmittelbar nach dem ersten Besuch wurde sie mit sechs Jahren Teil der Zirkusschule „Scuola Circo Lidia Golovkova“ in der italienischen Schweiz, wo sie auch geboren wurde. Hier lernte Veronica die Grundlagen der Aerial-Artistik und entwickelte ihre ersten Acts. „Für mich war von Anfang an klar, dass die Luftartistik und Handstand-Equilibristik meine Disziplinen sind. Das wurde mir besonders bewusst, als ich aus Neugierde auch mal andere Disziplinen, wie Einrad oder Hula-Hoop, ausprobiert hatte“, so die Artistin.

Erste Bühnenerfahrungen als Aerial-Artistin

Aerial-Artistin Veronica Fontanella

13 Jahre war Veronica bereits artistisch aktiv, bevor sie die Staatliche Artistenschule Berlin besuchte.

13 Jahre lang wirkte sie neben der Schule in dem Zirkus in Lugano mit. In dieser Zeit sammelte Veronica schon viele Bühnenerfahrungen auf Festivals – sogar international. „Wir sind nicht nur in der Schweiz aufgetreten, sondern oft auch in Lettland und der Ukraine. Auf einem der Festivals lernte meine Trainerin den Leiter der Staatlichen Artistenschule Berlin kennen. So bin ich auf die Schule aufmerksam geworden und habe mich sofort um einen Ausbildungsplatz beworben“, erzählt Veronica. „Die Aufnahmeprüfung damals zählt für mich bis heute zu den Momenten in meinem Leben, in denen ich am aufgeregtesten war.“ Dementsprechend schwer war der Stein, der ihr vom Herzen fiel, als sie die Zusage für einen Ausbildungsplatz bekam, den sie 2017 antrat.

Umzug nach Berlin und Start auf der Staatlichen Artistenschule

Obwohl Veronica schon ihr halbes Leben lang artistisch aktiv war, war die Trainingsintensität auf der Staatlichen Artistenschule für sie anfangs eine echte Herausforderung: „Damals habe ich neben der Schule viermal die Woche für ein paar Stunden trainiert. In Berlin ging es dann ganz anders zu. Neben dem Schulunterricht waren täglich zusätzlich vier bis sechs Stunden Training von Montag bis Samstag an der Tagesordnung.“ Allein bei dem Gedanken bekomme ich am ganzen Körper Muskelkater. Veronica hat es durchgezogen und nie an ihrer Entscheidung gezweifelt. Doch ihre Ausbildung auf der Schule verlief anders als üblich.

Der zweite Zufall mit bedeutsamer Tragweite

Aerial-Artistin Veronica Fontanella

Veronica ist dankbar für die Chance, schon 2019 bei der Absolventenshow „SPIN“ mitgewirkt zu haben.

Normalerweise verbringen die Schüler drei Jahre auf der Schule und touren nach erfolgreich absolvierter Prüfung gemeinsam mit ihrer Absolventenshow durch Deutschlands Varietés. Nicht so in Veronicas Fall. Die Artistin bekam die Chance, bereits ein Jahr vor ihrem Abschluss mit dem Jahrgang 2019 auf Tour zu gehen. Der Auslöser war, dass eine Aerial-Artistin spontan nach ihrer Prüfung entschieden hatte, die Artistik beruflich nicht weiter zu verfolgen. Um ihren Platz in der Show zu füllen, kam die Schulleitung auf Veronica zu. Schon damals war Veronica für diese Chance sehr dankbar. Vor dem Hintergrund, wie sich ihr eigentliches Abschlussjahr 2020 aufgrund von Corona entwickelt hat, ist sie heute doppelt so dankbar!

Job als Aerial-Artistin durch Absolventenshow-Tour 2019

„Dass ich bereits 2019 bei der Absolventenshow mitmachen durfte, ist schon der zweite Zufall in meiner Laufbahn, der mir in die Karten gespielt hat. Es war zwar sehr hart, parallel zu der Tour den Unterrichtsstoff meines letztens Schuljahres zu lernen, aber es hat sich mehr als gelohnt. Nicht nur, weil ich so vor Eintritt der Corona-Pandemie die Tour erleben konnte. Sondern auch, weil sich dadurch noch vor meinem offiziellen Schulabschluss ein toller Job ergeben hat“, so Veronica Fontanella. Die Aussicht auf diesen Job lässt sie zum aktuellen Zeitpunkt aufatmen. „Unter uns Artisten ist seit Corona eine frustrierte Stimmung. Wir alle würden so gerne auftreten, aber uns sind die Hände gebunden. Ich kann wirklich von Glück reden, dass ich durch die Show in 2019 einen Vertrag mit einem Varieté in der Tasche habe. Ab Januar soll meine Arbeit planmäßig starten. Ich hoffe sehr, dass Corona nicht doch noch dazwischen grätscht“.

Ein besonderer Moment: Verleihung des memo-media-Sonderpreises

Aerial-Artistin Veronica Fontanella

Veronica und Kerstin bei der Übergabe des memo-media-Sonderpreises auf der GAUKLERFESTung 2020.

Wir sind zuversichtlich und vor allem glücklich, dass wir die Aerial-Artistin Veronica Anfang August auf der 29. GAUKLERFESTung in Koblenz persönlich kennenlernen durften. Während kurz zuvor noch zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt werden mussten, konnte das Internationale Gaukler- und Kleinkunstfestival des Veranstalters Café Hahn unter strengen Auflagen stattfinden. Veronicas Präsenz und ihr artistisches Können stachen für uns so hervor, dass wir ihr im Rahmen der Veranstaltung den memo-media-Sonderpreis verliehen. Kerstin war selbst vor Ort, um ihr den Preis zu überreichen. Ein Moment, der in diesen Zeiten für beide Seiten bedeutungsvoll war, ein Moment, der uns hat spüren lassen, was wir alle die letzten Monate so sehr vermissen.

Veronicas Zukunftspläne

Aerial-Artistin Veronica Fontanella

Aerial-Artistin Veronica hat Vertrauen in ihre Zukunft.

Auch wenn es sich aktuell vielleicht noch nicht so anfühlt, wird die Branche hoffentlich bald wieder Fahrt aufnehmen. Und wenn es dann wieder richtig losgeht, steht für Veronica eines fest: „Ich möchte durch Deutschland und das Ausland reisen und in Varietés, auf Festivals und auf Events auftreten. Zum aktuellen Zeitpunkt weiß ich noch nicht, wo genau ich in der Zukunft stehen werde. Und das möchte ich auch gar nicht. Denn ich möchte mich einfach ganz frei ausprobieren. Die Richtung wird sich von allein ergeben.“ Dass sie dieses Vertrauen hat, liegt sicher nicht nur an ihrem Charakter. Sondern auch daran, dass ihr die Zeit in entscheidenden Momenten bereits gezeigt hat, dass alles irgendwie so kommt, wie es kommen soll.

Die einen nennen es Zufall, die anderen Schicksal. Und ich persönlich schließe mich meinem Freund an und glaube, dass alles, was passiert, für uns geschieht. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich ist. Bei Veronica haben diese Zufälle – oder Schicksale – jedenfalls dazu geführt, dass sie heute dasteht, wo sie steht. Und dass sie Vertrauen in die Zukunft hat. Trotz Corona.