Scharlatan Unternehmenstheater

Unternehmenstheater Scharlatan feiert 30. Geburtstag

Lesedauer 4 Minuten

Wenn man die Geschichte des Scharlatan Theaters mit einem Satz beschreiben müsste, könnte das ungefähr so klingen: Ein Maschinenschlosser, der Philosophie studiert hat, gründet mit einem Freund ein Theater, das alles ein bisschen anders macht als die Konkurrenz. Klingt schräg, hat aber funktioniert. In diesen Tagen feiert das Unternehmenstheater aus Hamburg 30-jähriges Jubiläum – und kann sich vor Aufträgen von größeren Firmen kaum retten.

Scharlatan Unternehmenstheater

Bei den Stücken des Unternehmenstheaters wird trotz teils ernster Hintergünde viel gelacht

Es dauert nicht lang, bis die ersten Zuschauer anfangen zu lachen. Das ist ja wie bei uns, flüstert einer von ihnen und deutet in Richtung Bühne, auf der ein Schiffskapitän gerade seinen Unteroffizier zusammenstaucht. Doch noch sind die rund 300 Angestellten eines bekannten Technologiekonzerns, die eigentlich mit einem normalen Theaterstück gerechnet haben, ein bisschen skeptisch. Gestik, Mimik, sogar die Wortwahl des Kapitäns ähneln der ihres Vorgesetzten. Ob das Zufall ist?

Mit Theaterstücken auf Ziele einstimmen und Konflikte lösen

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„Das, was die Zuschauer hier sehen, ist gespiegelte Realität, eine Analogie“

„Volle Kraft voraus“ heißt das Stück, das das Scharlatan-Ensemble hier im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Unternehmens aufführt. Die Geschichte, die es erzählt, haben die Regisseure des Unternehmenstheaters in enger Zusammenarbeit mit der Unternehmensführung entwickelt. „Das, was die Zuschauer hier sehen, ist gespiegelte Realität, eine Analogie“, sagt Scharlatan-Gründer und Geschäftsführer Ali Wichmann. Das Schiff steht also stellvertretend für das Unternehmen mitsamt seiner Belegschaft, seinen Hierarchien, Herausforderungen und Problemen. Der Kapitän zum Beispiel verhält sich genauso autoritär wie der Chef, aber – und das wird auf der Bühne für alle sichtbar – er hat seine Beweggründe und er ist jemand, der auch mit sich reden lässt. Die Köpfe der Angestellten rattern zu diesem Zeitpunkt längst munter vor sich hin. Viele von ihnen werden die Abläufe in ihrem Unternehmen, ihre Kollegen und ganz speziell ihren Chef in Zukunft mit anderen Augen sehen. In diesem Fall haben die Scharlatane ihre Aufgabe erfüllt.

„Volle Kraft voraus“ ist nur eines von vielen Formaten, die stets bis ins Detail auf den jeweiligen Kunden angepasst werden. Dazu gehören auch „Die Bandprobe“ oder „Das Forumtheater“, bei dem die Zuschauer sogar selbst mitwirken und Einfluss nehmen dürfen. Sie alle haben laut Ali Wichmann vornehmlich ein Ziel: Veränderungsprozesse anzustoßen, sei es bei der Vermittlung von Strategien und Leitbildern oder bei der Lösung von Konfliktsituationen. Die Referenzliste spricht für das Unternehmenstheater. Zu den Kunden gehören unter anderem Siemens, die Sparkasse und die Deutsche Bank.

Die Stücke vom Scharlatan Unternehmenstheater brechen mit Erwartungen und regen zum Nachdenken an

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Die Scharlatane Scheuen keine Mühen und sind für jede verrückte Idee zu haben. Hier wollen sie als „Die Sonntagspolitessen“ Hamburger Bürger überzeugen, öfter mal den Bus oder das Rad zu nehmen

Die Scharlatane wären nicht die Scharlatane, wenn sie sich mit dem einen Standbein zufrieden geben würden. Seit 30 Jahren experimentieren sie mit verschiedenen Formaten, die sie häufig an Orte führen, an denen niemand mit Theater rechnet. Doch genau das gehört zur Philosophie der Truppe, die mittlerweile auf rund 100 Mitglieder angewachsen ist: mit Erwartungen brechen und die Menschen zum Nachdenken und Querdenken anregen.

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Das Programm „Kollege kommt gleich“ gehört zu den beliebtesten im Repertoire

Das tun sie beispielsweise als „Sonntagspolitessen“, die in Hamburg auf die Straße gehen, um ihre Mitmenschen mit Witz und Charme dazu zu bringen, auch mal auf das Auto zu verzichten und stattdessen lieber das Rad oder den Bus zu nehmen. Oder als Kellner-Trupp, den man ganz normal für seine Veranstaltung buchen kann, und der dort auf humorvolle Art und Weise mit den Gästen ins Gespräch kommt. Die merken erst nach und nach, dass es sich bei dem Servicepersonal, das sie da köstlich unterhält, nicht um gewöhnliche Kellner handelt. Ali Wichmann: „Wir haben uns für ‚Kollege kommt gleich‘ extra als Kellner ausbilden lassen, damit auch ja niemand etwas merkt. Wir wollen kein Slapstick machen, sondern die Menschen mit Situationskomik, Schlagfertigkeit und Stil unterhalten.“

Prof. Dr. Faber wird dieses Jahr seinen 1.000sten Auftritt haben

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Erst sind seine Zuhörer leicht irritiert, dann können sie sich vor Lachen nicht mehr halten: Prof. Dr. Faber

Zu den absoluten Klassikern gehört auch die Kunstfigur Professor Dr. Friedrich Faber: Ein Mann mit Glatze, Fliege und lustigem Akzent, der als scheinbar seriöser Redner für Veranstaltungen gebucht werden kann und dort mit ernster Miene über die verschiedensten Themen fabuliert. Auch hier sind die Zuhörer anfangs ahnungslos, bis sie sich vor Lachen nicht mehr halten können. Aber auch hier gilt: seriöse Unterhaltung mit höchstem Anspruch. Herr Faber ist mittlerweile so populär, dass er dieses Jahr seinen 1.000sten Auftritt haben wird.

Wir freuen uns, dass es so gut läuft für Ali Wichmann und sein Scharlatan Theater und wünschen allen Beteiligten alles Gute für die Zukunft.