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Nora Gomringer – die Wortakrobatin

Lesedauer 3 Minuten

Nora Gomringer macht etwas mit Sprache und was sie mit ihr macht, berührt Menschen. Sie ist Performerin und Autorin, arbeitet fürs Radio und leitet ein Künstlerhaus. Bekannt wurde die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin mit Poetry-Slam. Mit dem Leipziger Jazzschlagzeuger Philipp Scholz und ihrem Programm »Peng Peng Peng« ist sie 2018 auf Tour.

Blick auf den Hintergrund

Nora Gomringer Portrait

Bei Nora Gomringer werden Worte lebendig.

Seit Nora-Eugenie Gomringer zwanzig ist, erscheint alle zwei Jahre ein Lyrikband von ihr. Sie hat aber auch schon zwei Essaybände, zahlreiche Kurzgeschichten, Radiostücke und Opern-Libretti verfasst. Einige ihrer Bücher, die fast alle CDs enthalten, sind ins Spanische, Belarussische, Englische, Französische und Schwedische übersetzt worden. Die 38-jährige Deutsch-Schweizerin lebt heute in Bamberg und leitet dort das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. Als Tochter einer Germanistin und des Begründers der konkreten Poesie, Eugen Gomringer (ja, genau, jenes Verfassers des wunderbaren Gedichts über Alleen und Frauen), ist sie in Sachen Literatur und Lyrik aufs Schönste vorbelastet. Aber, wer bei Lyrik an Worthülsen denkt, die ätherisch beatmet auf einem ansonsten leeren Teller als Delikatessen kredenzt werden, ist bei Frau Gomringer falsch. Nora Gomringer ist zugleich Beweis und Garant ihrer eigenen Aussage, dass Lyrik für jeden schön sein kann, denn bei ihr werden Worte lebendig.

Nora Gomringer lädt Worte mit Bedeutung auf

Die humorbegabte Wortakrobatin jongliert mit ihnen, singt und gurgelt sie, lädt sie mit Bedeutung auf, schmeckt deren Klang nach und bringt auch das Publikum auf den Geschmack. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen und es gelingt ihr spielend, in wenigen Worten ganz viel Welt zu fassen. Und plötzlich ist man zurückversetzt in die Kindheit, als man mit allen Dingen durch ein Gefühl verbunden war und Worte noch reiner Klang und aufgeladen waren mit Geheimnis. Für ihre sprachliche Gewandtheit und literarischen Salti wurde sie mit zahlreichen Aufenthaltsstipendien bedacht und vielfach ausgezeichnet. Sie erhielt unter anderem den »Jakob-Grimm-Preis Deutsche Sprache 2011«, den »Joachim-Ringelnatz-Preis 2012« und in 2015 den »Weilheimer Literaturpreis« sowie die Europa-Medaille des Freistaates Bayern. Im selben Jahr trat sie bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt auf und gewann mit ihrem Text »Recherche« den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Nora Gomringer Portrait

Bereits 2005 gewann sie die Deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft.

Bei ihrem Klagenfurter Auftritt wurde schnell klar, dass »Frau Gomringer« nicht nur gekonnt Worte zu Papier bringt, sondern diese auch durch eine fulminante Performance zum Leben erwecken kann. Da verwundert es kaum, dass sie bereits 2005 die Deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft gewann, denn schon vor ihrer Begegnung mit »Herrn Scholz« hatte die Lyrik der »Godmother of Slam« jede Menge Groove. Der mehrfach ausgezeichnete Jazzschlagzeuger Philipp Scholz bringt komplementäre Klangfarben und zusätzlichen Rhythmus ins Wortspiel.

Das Bühnenprogramm »Peng Peng Peng«

In ihrem Bühnenprogramm »Peng Peng Peng«, mit dem Gomringer & Scholz aktuell auf Tour sind, gehen Jazz und Lyrik eine faszinierende Komplizenschaft ein. Nora Gomringer hat hier eigene Texte im Anschlag, sowie sorgsam Ausgewähltes aus der Weltliteratur. Darunter Heinrich Heine und die wortwaffenkundige Dorothy Parker. Wenn Scholz neben seinem Schlagzeug auch Klangschalen einsetzt oder Xylofon spielt, dann amalgamieren sich Musik und Sprache zu einem abstrakten Klangteppich, auf dem Künstler und Publikum gemeinsam abheben. Gerade erhielten die beiden mit ihrem Programm eine Einladung nach Zypern und Indien. Die CD »Peng Peng Peng«, die das Duo zu diesem Projekt herausgebracht hat, wurde zuerst im Herbst 2016 in Japan released, wo sie allerdings »Pachun Pachun Pachun« heißt.

Auf ihrer Homepage findet man den Hinweis: »Vorsicht, Nora Gomringer könnte Sie amüsieren!« Ja, das könnte passieren. Veranstalter sind also gewarnt und sollten unbedingt dabei sein, wenn Gomringer Gedichte an- und ausmacht. Wie heißt es bei ihr: »Nora Gomringer muss sich fragen lassen, was ein Gedicht ausmacht. Nora Gomringer, was macht ein Gedicht aus? Nora Gomringer macht das Gedicht. Aus.«