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Maik M. Paulsen – Die Mutti der Absolventenshow

Nein, staatlich geprüfter Betrüger kann sich der Berliner Maik M. Paulsen nicht nennen. Als Jongleur und Einradartist hat er jedoch einen Abschluss an der Staatlichen Artistenschule. Inzwischen hat er das Fach gewechselt und spielt falsch. Das macht er gerne, weil er dabei dichter am Menschen dran ist und viel intensiver mit ihm kommunizieren kann: »Das heißt, ich kriege auch was vom Menschen mit, der bei mir am Casinotisch sitzt, und erfahre was von den Leuten. Das ist auf der Bühne viel weniger der Fall.« Jetzt zockt er also beim Roulette oder Black Jack oder zeigt beim Hütchenspiel seine große Geschicklichkeit. Ob er bei den berühmten Spielcasinos Hausverbot hat, verrät er nicht.

Der Artistenschule ist er aber treu geblieben und macht und betreut seit 2005 deren alljährliche Absolventenshow und bringt sie auf Tour. Das war im Ursprung eine Café-Idee zusammen mit der gesamten Klasse, mit der er gemeinsam absolviert hat. Die Absolventen hatten zwar einen Abschluss in der Tasche, aber das Problem, dass keiner sie kannte. Jeder hat dann seine wenigen Kontakte angerufen und es gab eine erste kleine Tournee mit 15 Shows. 15 Jahre später ist Maik M. Paulsen immer noch dabei und jetzt sind es 40 Shows in ganz Deutschland und der Schweiz. Maik und die Absolventen touren jedes Jahr drei Monate lang.

Der Grund, aus dem er die »Mutti« geworden ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, es passt aber in die 15 Jahre Merkel-Republik. Eigentlich ist »Mutti« ja nur für das Booking zuständig, aber natürlich sind da auch ganz viele kleine andere Wehwehchen, Unsicherheiten, Fragen, die über das wirklich reine Business rausgehen, sagt er. Man muss sich schon kümmern. Die Absolventen sind ja auch noch sehr jung – in der Regel 18, 19 Jahre alt.

Und so ist »Mutti« auch mit auf Tour. Er macht wirklich alles: vom Foto-Shooting-Plan, über die Grafik organisieren, das Tour-Booking, Tourbusfahren, die Probenleitung und Ablaufregie abends bis hin zur Buchhaltung und Pressearbeit – eben das ganze Programm. Und Händchenhalten auch! Wenn es sein muss, mal ins Krankenhaus fahren. Das kommt leider auch vor.

Rund 100 Absolventen hat er so unter seinen Fittichen gehabt. Dabei ist Paulsen um Neutralität bemüht. Der gute Draht zu den jungen Künstlern gehört zur Stellenbeschreibung. Unterwegs in den diversen Varietés trifft er auch immer wieder auf Kollegen, mit denen er schon zuvor unterwegs war. Richtige Freundschaften sind schwer zu pflegen, aber die Artistenbande ist schon einfach eine große Familie. Das ist ein tolles Gefühl!

Maik M. Paulsen ist die "Mutti" der Absolventenshow.

Maik M. Paulsen ist die „Mutti“ der Absolventenshow.

Aber auch wenn Maik M. Paulsen dann wieder alleine als Falschspieler und Betrüger an den Spieltisch zurückkehrt, fühlt er sich nicht einsam. Das Wechselspiel der verschiedenen Ansprüche hat seinen Reiz: »Bei der Absolventenshow habe ich ja dann eine mehr organisatorische Aufgabe und am Casino-Tisch bin ich ja selber der Künstler, der Performer. Ich brauche diese Abwechslung einfach. Das macht es auch für mich spannend. Wenn ich den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen würde, würde mir was fehlen, aber wenn ich immer nur mal abends losgehe und Leute unterhalte, würde mir vielleicht auch was fehlen. Für mich ist es super, diese Kombination aus beidem zu haben.«

Ein Ende ist nicht in Sicht. Die aktuelle ist die 15. Show und heißt »Spin!« Alles ist rund. Und alles dreht sich ständig. Und auch die jungen Künstler der Staatlichen Artistenschule Berlin haben den richtigen Dreh raus. Der Hula-Hoop-Ring dreht sich, das Diabolo rotiert, die Keulen wirbeln, die Luftartisten kreisen in der Luft, die Akrobaten schlagen Salti, die Tänzer beschreiben Pirouetten. Auf geht’s!