Final Personal Project

Final Personal Project der Fontys Circus Academy in Tilburg

Lesedauer 3 Minuten

Vor einigen Jahren ging ein Raunen durch die Szene, als sich die ersten Absolventen der Hochschule für Artistik in Tilburg auf den europäischen Bühnen präsentierten. Lisa Rinne beispielsweise zeigte eindrucksvoll, dass man einen Act vor dem eigentlichen Act platzieren kann. Ihr Hinaufklettern der Leiter war in Paris bei Cirque de Demain Tagesgespräch und den Tilburg-Stil war geboren. Wir besuchten die diesjährige “Final Personal Project“- Show der der nun 4. Abschlussklasse. In diesem Jahr präsentierten sich zwölf Nummern zum Semesterabschluss – wir beschreiben sie in der Reihenfolge der Auftritte.

Die Auftritte beim Final Personal Project 2017

Maelys Rousseau zeigte einige innovative Tricks an zwei beweglichen, gegeneinander routierenden Luftreifen. Eine sehr sinnliche Präsentation, die live von einem Saxophon, einer Klarinette und Percussions begleitet wurde.

Final Personal Project

Laure Osselin während ihrer Nummer.

Das Duo Delight verkörperten mit Scott Makowske und Sanne Hamstra eine Hand-auf-Hand- und Wurfakrobatiknummer, die technisch schon auf einem qualitativen guten Niveau ist. Jedoch fehlt der Nummer noch der endgültige choreographische Stil. Die Tendenz zu Witz oder Seriosität sind noch nicht eindeutig definiert.

Ein tief hängendes Trapez, eine Matte und ein Barhocker sind die Tücken des Objekts, an denen sich Laure Osselin sehr komisch versuchte. Immer wieder versuchte sie, über den umfallenden Barhocker zum Trapez zu gelangen und führte dann perfekte Abfaller in die Matte aus, die man normalerweise am Schwungtrapez sieht. Eine außergewöhnliche Luftnummer mit einer runden Story im typischen “Tilburg-Stil“.

Im blauen Tütü zu klassischer Musik präsentierte Aude Paris eine Handstandarbeit mit langsamen, teils sehr schönen Einarmer-Tricks und Drehungen, die manchmal noch etwas unstabil wirkten.

Im Schlafanzug den Tag beginnend schminkte sich Ida Cramer und frisierte sich die Haare, während sie den Mast auf- und abgleitet. Ihre Story zu der Nummer am Mast, bei der sie sich auch ankleidet, hat Stil, jedoch sollte sie die Nummer in Zukunft noch um einige Tricks erweitern.

Die beiden Engländer Christian Lawrence und Iona Godbold haben sich zu ihrer Partnerakrobatik eine witzige Moderation im englischen Humor ausgedacht und präsentieren in ihrer technisch sehr perfekten Nummer u. a. mit einem Überwurfsalto verschiedene Tanz-und Musikstile des Showbiz.

Final Personal Project

Eine spannende Hand- auf-Hand-Performance.

Einer routierenden Lampe, die fest am Chinesischen Mast befestigt ist, folgt Bavo de Smedt im Handstand, während er auf und ab am Mast gleitet. Diese Nummer mit einigen guten Tricks ist sehr außergewöhnlich. Der Zuschauer hat das Gefühl, ständig mit in Bewegung zu sein.

Eine sehr ausgefallene, kreative Hand- auf-Hand- und Bodenakrobatik-Performance zeigte die Acro Group. Sie schmelzen wahrlich zu Bildern, Figuren und Statuen zusammen, indem sie sich in Slow Motion über den Boden ziehen und immer wieder neue Akrobatik-Formationen zusammenbauten. Diese Nummer war wirklich fertig und absolut sehenswert!

Felix Vailly am Cyr Wheel, musikalisch begleitet von Isaac an der elektrischen Violine, erzählt den Zuschauern in einer sehr poetischen, aber zu langatmigen Inszenierung die Geschichte von der Entstehung des Lichtes und zeigt dabei eine fließende Arbeit am Cyr Wheel.

Kontorsion und Jonglage mit verschränkten und überkreuzten Armen – sitzend oder stehend -, ist das Thema von Pieter Visser in einer sehr speziellen, originellen Jonglage. Figur und Thema sind interessant, das Thema Jonglage sollte noch mehr dominieren.

Ein toter Baum als Deko-Requisit und eine Frau und dazu eine Geschichte, die Morgane Charpentier erzählt und immer wieder wiederholt, ist mehr ein Theaterstück als eine Solo-Handstandnummer, in der sich abstrakte Gebilde eines Baumes wiederfinden.

Final Personal Project

Action am Schwungtrapez beim Final Personal Project.

Action am Schwungtrapez mit Saphia Loizeau in einem klassischen roten Kostüm brachte Circus-Atmosphäre in den Saal; jedoch wurde bei den Tricks sehr viel Longen-Arbeit geleistet. Vielleicht sollte Saphia in Zukunft auf weniger Tricks mit gezogener Longe verzichten, dies würde ihre Präsentation qualitativ aufwerten.

Kritisch betrachtet wurde diese Show von einer ausgewählten Jury aus Circus- und Show-Experten, die unter strengen Kriterien den Abschluss bewerteten.

Erste Abschlussshow der jungen Artisten

All diese jungen Artisten haben gerade die erste Abschlussshow gespielt und ihnen fehlt noch die tägliche Praxis, die die Nummern im Laufe der Zeit runder und damit professioneller wirken lässt.  Die Circusschule in Tilburg verfügt über ein kreatives Lehrerteam, das immer wieder interessante, innovative Ideen hervorbringt. Leider sind auch einige Nummern aufgrund ihrer Präsentation und Choreographie im täglichen Showbiz, sei es Varieté oder Circus, sicherlich schwer zu vermitteln.