Art Cologne Internationaler Kunstmarkt

Die 49. Art Cologne: Der große Kunstzirkus

In Köln hatte vom 16. bis 19. April 2015 einmal mehr der große internationale Kunstzirkus Station gemacht. Mehr als 200 Galerien hofften auf gute Geschäfte. Der erste Eindruck lässt diese erhoffen. Ich habe noch nie so viele Manolos und Hermèstäschchen gesehen wie bei der 49. Ausgabe der Art Cologne. Überhaupt waren viele Damen auf sehr gewagtem, eigentlich messeuntauglichem Schuhwerk unterwegs. So wird man zum Objekt. Auffallen um jeden Preis war angesagt.

ART COLOGNE auffallen mit Schuhen

Auffälliges Schuhwerk auf der Art Cologne

Ernst Ludwig Kirchner, Scene aus dem Sommernachtstraum, 1937, Öl auf Leinwand, 196 x 150 cm, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld

Ernst Ludwig Kirchner, Scene aus dem Sommernachtstraum, 1937, Öl auf Leinwand, 196 x 150 cm, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld

Viel Geld brauchte man auch, wenn man die „Scene aus dem Sommernachtstraum“ von Ernst Ludwig Kirchner bei Samuelis Baumgarte erstehen wollte. Das wunderschöne Gemälde kostet mal eben 7,5 Millionen Euro und dürfte damit das teuerste Kunstwerk dieser Art Cologne gewesen sein.

Otto Dix, Zirkusscene, 1923, Aquarell, Collage, Blei- und Farbstifte, 49,5 x 35,5 cm, signiert, datiert, Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Otto Dix, Zirkusscene, 1923, Aquarell, Collage, Blei- und Farbstifte, 49,5 x 35,5 cm, signiert, datiert, Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Wir haben uns in diesem Jahr auf der Art Cologne einmal speziell nach Bildern und Objekten umgeschaut, die Bühnenkünste, Artistik und Zirkus abbilden. Und ein wenig sind wir dabei fündig geworden, wie bei dem großen Otto Dix bei der Galerie Remmert und Barth. Die „ Zirkusscene“ aus dem Jahr 1923 zeigt als Montage Aquarell und auch Blei- und Farbstifte.

Marcel Stobbaerts, Arena Nord, Fischer Kunsthandel und Edition

Marcel Stobbaerts, Arena Nord, Fischer Kunsthandel und Edition

Erstmalig wurde die Kunst auf der Art Cologne wieder auf drei Hallenebenen gezeigt. Auf 11.3 war die Junge Kunst zu Hause, auf 11.2 die Zeitgenössische und auf 11.1 die Moderne. Hier war die edle Kleidung besonders gut vertreten. Fischer Kunsthandel und Edition aus Berlin ist dort ein Dauergast, der auf die Neue Sachlichkeit spezialisiert und immer für sensationelle Entdeckungen gut ist. Ich erinnere mich besonders an die fulminante „Bardame Erna“, von Karl Hubbuch, die in einer privaten Sammlung untertauchte. Die öffentlichen Museen können weniger kaufen als all die reichen Knöpfe mit ihrem unendlichen vagabundierenden Kapital. Somit wird man die „Arena Nord“ des belgischen Malers Marcel Stobbaerts von 1925 wohl bald nicht mehr in der Öffentlichkeit wiederfinden. Hätte ich das nötige Kleingeld, hätte ich ums Einpacken gebeten. Zirkus und Jahrmarkt bilden ein tolles Panoptikum.

Wim Wenders zeigte auf der Art Cologne Landschaftsausnahmen aus den USA

Auch das bietet die Art Cologne fernab der Kojen und manche mögen diesen geschäftsgetriebenen Kunstauftrieb ja nicht. Ich dagegen genieße das – mit Walking-Schuhen bewehrt – meilenlang, da in Köln Bilder zu entdecken sind, die kurz darauf nur noch nach sehr privater Einladung zu sehen sind. Die Messe ist ein Museum auf Zeit.

ART COLOGNE Katharina Sieverding fotografiert

Katharina Sieverding fotografiert

Wim Wenders war auf der Art Cologne mit einigen großformatigen Fotos aus den USA vertreten. Diese Landschaften sind noch bis zum 16. August 2015 in Düsseldorf allen zugängig, die Museumseintritt entrichten. Bei Blain|Southern hing ein Freizeitparkdinosaurier von 1983 hinter Glas, unglücklicherweise so ausgeleuchtet, dass ich das Foto nicht erneut abfotografieren konnte. Damit mehr Glück hatte Katharina Sieverding, die ihren eigenen Sieverding ablichtete.

Peter Boettcher war mit dem Foto „Kraftwerk TEE Tokyo“ vertreten. In der Ausgabe 1-2013 der Showcases zeigten wir ein Bild aus dieser Serie. Bei der Galerie Galerie Löhrl war das Foto für 5.500 Euro ausgezeichnet.

Peter Boettcher, Kraftwerk Tee Tokyo, Galerie Löhrl

Peter Boettcher, Kraftwerk Tee Tokyo, Galerie Löhrl

Edward Weston, Marion Morgan Dancers 1921, Galerie Johannes Faber

Edward Weston, Marion Morgan Dancers 1921, Galerie Johannes Faber

Eine Vintagefotografie zeigt die Tänzerinnen der damals sehr bekannten Isadora-Duncan-Style-Truppe von Marian Morgan an einem kalifornischen Pool im Jahr 1921. Der signierte Platin-Palladium-Abzug des amerikanischen Fotografie-Urgesteins Eward Weston wurde bei Galerie Johannes Faber mit 80.000 Euro mehr veranschlagt.

Allen Jones, Follies, Galerie Forsblom

Allen Jones, Follies, Galerie Forsblom

Weitere dann farbenfrohe Tänzerszenen fand man als Skulptur und Gemälde bei der finnischen Galerie Forsblom. Allen Jones Werken, die die Bewegung leuchtend einfingen, war ein Sonderraum gewidmet.

 

Galerie von Vertes überzeugte mit der Farbe Rot

Die Galerie von Vertes dagegen lockte mit einem reduzierten knallroten Tänzer-Triptychon von Jime Dine auf der Außenseite ihrer Koje: „Three red Dancers“.

Jim Dine, Three Red Dancers, Galerie von Vertes

Jim Dine, Three Red Dancers, Galerie von Vertes

Die Farbe Rot wurde von Yayoi Kusama bei von Vertes beibehalten. Die „Dots Obsession“ – die große japanische Künstlerin liebt schließlich Punkte – führt einen abstrakten Tanz auf der acrylbemalten Leinwand auf (1998). Anmerkung des Redakteurs: Bitte ebenfalls einpacken.

Yayoi Kusama, Dots Obsession, Galerie von Vertes

Yayoi Kusama, Dots Obsession, Galerie von Vertes

Marcel Dzama drapierte 2014 in einer Vitrine eine ganze Hekatombe von Pierots. Zu finden bei Sies + Höke. Der Titel war der Pierotanzahl gemäß auch etwas länger: „Trip and go or piero is wandering here and there, reading out lines of Pinocchio, as Oscar dances down stairways”

Marcel Dzama, Trip and go or piero is wandering, Sies + Höke

Marcel Dzama, Trip and go or piero is wandering, Sies + Höke

Für memo-media-Fans war beim genauen Hinblick also Einiges zu entdecken. Wie die wunderbar gearbeiteten, kleinen Artistenfigurinen von Barbara Zenner. Alles aktuelle Unikate bei Jürgen Becker Galerie aus Hamburg.

Barbara Zenner, div. Figuren, Jürgen Becker Galerie

Barbara Zenner, div. Figuren, Jürgen Becker Galerie

Mal schauen, was wir im nächsten Jahr auf der Art Cologne alles entdecken können. Ich gehe auf jeden Fall wieder hin. Mit bequemen Walking-Sneakern als Schuhwerk. Kunst sollte keine Schmerzen bereiten. Zumindest nicht an den Füßen.