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Art Cologne 2014: Trapez-Akt auf 11.3

 Die 48. Art Cologne hat einmal mehr als wichtigster deutscher Kunstevent überzeugt. Unter der Leitung von Daniel Hug ist es durch Verknappung gelungen, die relevanten internationalen Galerien und Sammler wieder an den Rhein zu holen. 200 Galerien aus 25 Ländern bieten hervorragendes Inspirationsmaterial.

Das Potenzial der bildenden Künste für die Kommunikation wird weithin unterschätzt. Das memo-media-Magazin showcases wird in der Juni-Ausgabe 2014 in einem Best Case über einen rundum gelungenen Event im Europaparlament berichten, an dem Künstler wie Robert Wilson, Elfriede Jelinek oder Ruprecht von Kaufmann teilgenommen haben. Derweil habe ich den Rundgang in der Kölner Messehalle wieder als äußerst anregend genossen.

Wie für memo-media gemalt erscheint eine der Geschichten in Öl und Acryl von eben diesem Ruprecht von Kaufmann bei der Galerie Pfab aus Düsseldorf in Halle 11.3. Der Rückenakt einer Artistin erzählt einmal mehr eine Geschichte, die der Betrachter in seinem Hirn fortsetzen muss. It’s more than meets the eye! Der Meister des somnambulen Surrealismus zeigt sich erneut als Ausnahmekünstler.

 Drei mal Hase

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Bei Hans Mayer aus Düsseldorf springt einem ein Hase von Barry Flanagan entgegen. Das Werk des viel zu früh verstorbenen walisischen Bildhauers bildet eine animalische Linie mit dem teuersten Werk dieser Art Cologne.

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Franz Marcs „Die Angst des Hasen“ von 1912 ist das einzige Gemälde der Galerie Thomas (München), die so reduziert auch ihr fünfzigjähriges Bestehen auf der Messe feiert. Das Prinzip der Verknappung funktioniert. Für 9,4 Millionen Euro!

Das dritte Hasentier ist das gleichnamige Restaurant, das von der bekannten Kölner Agentur Uniplan gestaltet wurde.

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Christian Brühe, Group CEO der Uniplan, der übrigens selbst eine gut sortierte Sammlung besitzt, gehört mit seinem Unternehmen und Audi wie auch der Axa-Versicherung zu den langjährigen Sponsoren, denen das Kunstumfeld guttut.

Zurück zur Galerie Hans Mayer, in dem Flanagans Hase herumhoppelt. Eine frühe Mappingarbeit von 1996 von Tony Oursler findet sich ebenfalls bei Mayer.

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Hier beschränkt sich der Fotograf und Videokünstler auf den Monolog von Augen. Oursler schuf übrigens das Video zu David Bowies „We Are We Now?“

Die ewigen Highlights

Spektakulär ist der Akt der 70jährigren Vivienne Westwood von Juergen Teller bei Suzanne Tarasieve, Paris.

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Das erwartet man nicht. Die Überraschung durch das Ungeahnte ist doch nach wie vor ein starkes gestalterisches Mittel. Das Alter scheint in der Kunst sowieso aufgehoben. Stark nach wie vor Louise Bourgeois bei Hauser und Wirt und Karsten Greve. Ewig jung in der Galerie Hennemann aus Königswinter der monolithisch gezeigte Karl Otte Götz, der die Hundert geschafft hat.

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Die Galerie Eigen+Art ist übrigens auch wieder zurück (Leipzig und Berlin). Gerd Harry Lybke, mit dem braunen Anzug und dem Espressobecher, freut sich über den Andrang.

Auf der Etage der jungen Kunst schaut sich auch Kasper König, der vielleicht wichtigste Kunstmanager des Kontinents um.

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 Das Spiel mit der Proportion und das Maß aller Dinge

Verfremdung ist ein gern genutztes Mittel. Darunter auch das Spiel mit der Proportion. Die übermenschgroße Katze von Laura Ford  fällt da auf. Gezeigt wird diese Emissär-Mietze von der Galerie Scheffel aus Bad Homburg.

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Bunt und glitzrig wird es bei „Großer Reliquienschädel“ von Carolein Smit. Das Keramikobjekt bei Haas, Zürich, spielt mit dem Bling-Bling der Edelsteine.

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Too much Bling Bling dagegen im Boxerrefugium „Trophy Room“ von Carlos Rolon/Dzine bei Henrik Springmann. Das ist wohl eher was für die Hip-Hop-Gemeinde.

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Diese Koje ist eine Zusammenarbeit mit Salon 94 aus New York. Der Kunstmetropole des Westens, mit deren Galerien auch in diesem Jahr viel zusammengearbeitet wird. Dafür sind die experimentellen Flächen der Vorjahre verschwunden. Schade, hier fand man immer spannende Entwürfe der Konzeptkunst.

Persönliche Highlights

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Ein einfaches Aquarell mit Gouache und Tusche kann auch verzücken. Bei Fischer Kunsthandel aus Berlin sind immer tolle Bilder der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts zu entdecken. So auch die multikulturelle „Hafenkneipe“ von Armand Bouten, die auf die Jahre 1925 bis 1927 datiert wird. Man darf alle Techniken gerne mischen. Das Spannende an Regeln ist eben ihre Verletzung.

Widerstand per Fleurop

An Ai Wei Wei  führt in diesem Jahr kein Weg vorbei. Sein berühmtes Selfie mit den Polizisten im Aufzug wurde auf der 48. Art Cologne bereits verkauft. Im Eingang der Messe findet sich seine Blumenstraußaktion mit Fotos. Bis zu einer neuen Reiseerlaubnis drapiert Ai jeden Tag einen frischen Blumenstrauß im Korb seines Fahrrads in Peking. Fans aus aller Welt senden ihm per Fleurop täglich neues florales Material. Auch so geht Widerstand.

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Ai Wei Weis Werke kann man übrigens noch in der großen Schau „Evidence“ bis zum 7. Juli 2014 im Berliner Martin-Gropius sehen.