09.03.2010

Zaubern – Kunst oder Wissenschaft?

Zaubern – Kunst oder Wissenschaft? Fotograf: Trinkhaus

Dieser Frage geht der Zauberkünstler Martin Eisele, der 2006 in Stockholm zum Weltmeister gekürt wurde, nach.



Dieser Frage geht der Zauberkünstler Martin Eisele, der 2006 in Stockholm zum Weltmeister gekürt wurde, nach. Seine Spezialisierung, die Close-Up Zauberei, oder auch Tischzauberei bzw. Mikromagie genannt, hat nichts mit dem angestaubten Image eines Zauberers zu tun, der auf der Bühne steht und einen Hasen aus dem Hut zieht, sondern ist vielmehr die Magie, welche hautnah, dicht dran am Publikum geschieht und mit visuellen, klaren Effekten das Publikum fasziniert und begeistert. Genau diese Nähe macht für die Zuschauer den entscheidenden Unterschied aus, und Eisele ist ständig bestrebt, seine Kunst zu verfeinern. Der gelernte Elektronik Ingenieur ist sehr an naturwissenschaftlichen Dingen interessiert, und so fand er sich letztes Jahr bei einem Vortrag von Professor Wilhelm zum 100-jährigen Bestehen der Tübinger Augenklinik wieder. Nach dem Vortrag kamen die beiden ins Gespräch, und stellten gewisse Parallelen fest. Für den Professor ist es interessant zu erfahren, wie es Zauberkünstler schaffen, Dinge die für das menschliche Auge zwar sichtbar sind, für das Gehirn aber nicht wahrnehmbar sind und daher „unsichtbar" werden, und für Eisele wiederum, welche biologischen Faktoren / Limitierungen zu diesen Ergebnissen führen, und wie diese weiter genutzt werden können.



Die Zauberkunst bedient sich vieler Elemente - wobei eines davon die Limitierung der visuellen Wahrnehmung ist, welche z.B. bei nebenstehender Herzkarte verdeutlicht wird. Auf der Vorderseite zeigt diese eine Herz sechs, und auf der Rückseite eine Herz drei. Nach erneutem Umdrehen stellt man jedoch fest, dass sich dort, wo gerade eben noch eine Herz sechs war, sich nun eine Herz vier befindet und auf der Rückseite ein Herz Ass. Wie kann das nur sein?



Wie auch in seinem Vortrag ist Eisele bereit, die Zuhörer etwas hinter die Kulissen blicken zu lassen: „In Wirklichkeit sind auf der Spielkarte weder vier noch sechs Herzen, sondern fünf!" Unser Gehirn addiert einfach das sechste hinzu, und wird eines der fünf zugehalten, dann vermisst das Gehirn auch keines und „sieht" daher nur vier. Der Fachausdruck hierfür heißt „Completion".



Wie jedoch einen Augenblick später tatsächlich acht Herzen auf der Spielkarte zu sehen sind, das lässt sich nicht mit einer Limitierung des visuellen Systems erklären, und bleibt Eiseles Geheimnis.



Bei diversen Gesprächen und Experimenten wurde die Idee geboren, einen Vortrag, zunächst für Medizinerkollegen auf Fachtagungen, zu halten, welcher die beiden Disziplinen anschaulich kombiniert. Es gesellten sich noch Stefan Zucht, eine Kollege Eiseles, sowie Professor Schiefer von der Augenklinik Tübingen hinzu.

Der nun in Kirchentellinsfurt (bei Tübingen) lebende Zauberkünstler erzählt fasziniert von seinen Erkenntnissen, und wie er diese dazu nutzt, seine Zauberkunststücke ständig zu verbessern - die Liebe liegt eben im Detail.



Das visuelle System des Menschen ist so ausgelegt, dass es immer nur einen Punkt fixiert, und alles andere nur peripher wahrgenommen wird. Beobachtet man etwas Interessantes oder gar ein bewegtes Objekt, wird die Umgebung nur noch vermindert wahrgenommen bzw. ausgewertet. Betritt man z.B. einen Raum schweifen die Augen umher, und das Gehirn setzt einzelne Momentaufnahmen zu einem Ganzen zusammen. So entsteht der Eindruck, man könne alles sehen bzw. wahrnehmen. In Wahrheit sind es aber tatsächlich nur Momentaufnahmen, da man während einer Augenbewegung nichts sieht. Ein herrliches Beispiel hierfür finden Sie nebenan in der Infobox zum Selbstversuch.



Wie weit die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Zauberern gehen wird, steht noch in den Sternen. Ein gemeinsames abendfüllendes Programm wäre schön, nur ob sich das zeitlich unterbringen lässt ist fraglich. Die Professoren haben an der Universität alle Hände voll zu tun, und Eisele ist auch viel unterwegs. Er gibt unter anderem Seminare auf Zauberkongressen, verzaubert Firmenevents und lädt zu seinem Programm „Gourmet mit Magie" in Restaurants ein.


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