11.04.2010

Light + Building 2010: Krise, welche Krise?

Das Positive vorweg: Die Light + Building, die heute ihre Pforten geöffnet hat, zeigt sich in bester Messemanier. Ausgebuchte Messehallen, präsentationsstarke Messeauftritte, Aussteller mit vergrößerten Standflächen, so lässt sich der Eindruck der Leitmesse für Architektur und Technik zusammenfassen.



Das Positive vorweg: Die Light + Building, die heute ihre Pforten geöffnet hat, zeigt sich in bester Messemanier. Ausgebuchte Messehallen, präsentationsstarke Messeauftritte, Aussteller mit vergrößerten Standflächen, so lässt sich der Eindruck der Leitmesse für Architektur und Technik zusammenfassen. Damit die Messe ein solches Gesicht annahm, waren viele Messearchitekten, Messebau-Unternehmen und Marketingspezialisten im Vorfeld tätig, um die Präsentationen in nachhaltig memorable Inszenierungen zu verwandeln. Viele dieser Spezialisten sind Mitglieder des FAMAB, Verband Direkte Wirtschaftskommunikation. Hier ein Auszug Ihrer Projekte.



Totgesagte leben länger und ganz offensichtlich auch besser: Wie in jeder wirtschaftlichen Rezession werden Messen von Ausstellern auf den Prüfstand gestellt. Am Ende des Prozesses zeigt sich dann ein vertrautes Bild: Aussteller, die kurzfristig an Investitionen in Messebeteiligungen gespart haben, kehren reumütig auf das Messeparkett zurück. Und die Light + Building in Frankfurt, die bedingt durch ihren Zyklus das letzte Mal vor Beginn der Rezession stattfand, steht heute dar, als hätte es nie einen Zweifel am Nutzen von Messebeteiligungen gegeben. Unternehmen investieren in ihre Präsentationen, da das Marketing-Instrument Messe für sie ein Schlüsselfaktor in Vertrieb und Präsentation der Produkte und Leistungen ist.



Zu nennen sind hier u.a. die Beispiele Gira und Berker. Zwei mittelständische Unternehmen, deren Produktportfolio die Haustechnik ist, haben die Gunst der Stunde erkannt und mit ihrem Umzug in die neue Halle 11 ihre Standflächen mehr als verdoppelt. In diesem Jahr präsentieren sich die beiden Unternehmen jeweils auf rund 1.200 m². So ähnlich ihr Angebotsspektrum, so unterschiedlich ihr Auftritt. Während Gira auf eine semitransparente, hinterleuchtete Außenhülle aus weißer Gaze setzt, gestaltet sich der Berkerauftritt als massiver Baukörper in hellem Holz und weißer Fassade, der mit Nischen und Fenstern spannende Ein- und Ausblicke auf den und vom Stand ermöglicht. Mit ihrer klaren und puristischen Formensprache werden beide Auftritte ihre Zielgruppe erreichen: Architekten und Objektaustatter. Gestaltet und realisiert wurde der Auftritt von Gira durch das Wuppertaler Büro Ueberholz, Berker setzte bei der Gestaltung auf das Münchner Büro von Schmidhuber + Partner und bei der Realisierung auf Messebau Tünnissen aus Kranenburg.



Ganz in Weiß, so stellt sich in diesem Jahr die Marke Occhio des Herstellers axelmeiselicht dar. Mit einem Kubus in hochglänzendem Oberflächenfinish, erinnert er weniger an einen temporären Baukörper als vielmehr an einen perfekt inszenierten Showroom an einem der Boulevards dieser Welt. Damit das Konzept nicht steril wirkte, hat der Architekt Jürgen Drändle in dessen Mitte einen Urwald platziert, der mehr als ein Hingucker ist: Er beeinflusst das Raumklima des Messestands positiv und lässt Kunden länger und lieber verweilen. Und damit der Auftritt so aussieht, wie er aussieht, hat das Unternehmen WSV aus Langenzenn gezeigt, was es kann.



16 Aussteller auf 154 m² bedeutet normalerweise ein buntes Sammelsurium von Marketingbotschaften, die den Besucher eher verwirren als überzeugen. Anders der Auftritt der Osram-Sparte Semiconductors, bei dem 16 Händler und Entwickler für LED-Technologien ihre Präsentationen zum „Network Orange" machten. Das Signet, ein Männchen in Osram-Orange, wurde zum standhohen Blickfang des Auftritts. Dabei wurden die Körperachsen des Enblems durch schwarze Streben verlängert und so zum Netzwerk erweitert. Das so entstandene markante Bild diente als Anker für die weitere Kommunikation, beispielsweise umgesetzt als Werbesäulen für den Messeauftritt, die auf dem gesamten Gelände aufgestellt waren. Und auf der Präsentation selbst: Hier befanden sich die 16 Partner im Zentrum des offenen Konzepts, waren alle gleichermaßen gut erreichbar und stellten ihre Leistungen für den Besucher leicht zu erkennen auf jeweils drei Digi-Frames dar. Keine Verwirrung, sondern klare Botschaften erreichten den Besucher bei diesem Auftritt, der vom Solinger Büro Bachmann.Kern & Partner erdacht und von Voblo aus Velbert realisiert wurde.



Gleich alle Sinne sprach der Messeauftritt von illuminati an, bei dem die Produktneuheit Svan, ein weißer Lüster mit schwanenkopfförmigen Armen im Mittelpunkt stand. Nicht nur zu sehen gab es ihn auf diesem ganz in Schwarz getauchten Messeauftritt. Durch eine Luftbefeuchtung und Beduftung der Präsentation wurde der Besucher an aufsteigenden Morgennebel erinnert, leise Musik unterstrich das Wohlfühlambiente, Lack und Leder gaben dem Auftritt eine besondere Haptik, und die Gaumenfreuden kamen bei diesem Ganzheitlichen Konzept, dass ICOM aus Fürstenfeldbruck entwickelte nicht zu kurz.



Der LonMark Deutschland e.V. setzte bei seinem Auftritt auf Klimaneutralität. Der Verband ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die sich mit der LON-Technologie beschäftigen. Eines der Haupteinsatzgebiete dieser Technologie ist die Gebäudeautomation, wo sie für hohe Energieeffizienz sorgt. Durch den Kauf von Klimaschutz-Zertifikaten wurde der Carbon-Foodprint des Auftritts klimaneutralisiert und unterstützte so das Image und die Argumentation des Verbands und seiner Mitglieder. Verantwortlich zeigte sich für dieses Konzept die Firma Rappenglitz aus München.



Luminale

Doch was wäre eine Light + Building ohne Luminale. Während WSV für seine Kunden Spectral und Hess AG das Karmeliterkloster bzw. eine Inszenierung auf der Wallanlage ins rechte Licht rückte, spielte Atelier Marktgraph Theater. In der U-Bahnstation Willy-Brand-Platz ließ man durch Fahrgäste und Passanten Zitate aus dem Repertoir des Schauspiels Frankfurt zu einem neuen Theaterstück verschmelzen. Das Ganze stand unter dem Motto: Licht am Ende des Tunnels - Ob man bei der Titelwahl an die wirtschaftliche Lage gedacht hat? Ich weiß es nicht, passend wäre es.


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