28.11.2012

AUMA-Herbst-Pressegespräch

AUMA-Herbst-Pressegespräch

Im Rahmen des Herbst-Pressegesprächs des AUMA-Verbandes am 28. November 2012 in Köln wurde unter anderem bekannt, dass das Messewachstum 2012 zwar abgeschwächt, aber noch im Plus sei. Mitunter ein Grund: 85 % der Aussteller planen stabile oder höhere Messe-Etats.


Messewachstum 2012 abgeschwächt, aber noch im Plus
Eine repräsentative Befragung von 500 deutschen Ausstellern auf B2B-Messen durch TNS Emnid im Auftrag des AUMA_Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ergab:  In der Business-to-Business-Kommunikation setzen deutsche Unternehmen weiter stark auf Messen. Denn von den ausstellenden Unternehmen wollen fast ein Viertel in den Jahren 2013/2014 ihre Messebudgets erhöhen, 60 % wollen sie konstant halten.

Für das Jahr 2012 rechnet der AUMA nach bislang vorliegenden Ergebnissen trotz verschlechterter Konjunkturlage mit einem leichten Ausstellerplus und knapp gehaltenen Besucherzahlen. Dies betonte der AUMA-Vorsitzende Hans-Joachim Boekstegers im Rahmen des Herbst-Pressegesprächs des Verbandes am 28. November 2012 in Köln. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die deutschen Messen hätten sich im Laufe des Jahres verschlechtert: Zum einen habe sich das Wirtschaftswachstum verringert; in der Investitionsgüterindustrie gebe es vielfach Auftragsrückgänge. In Südeuropa gebe es teils Rückgänge der Wirtschaftsleistung mit entsprechend verringerter Konsum- und Investitionsneigung. Auch die fortwährende Euro-Krise drücke auf die Stimmung. Positiv seien die weiterhin hohen, wenn auch reduzierten Wachstumsraten in Ostasien, aber etwa auch in Brasilien. Daran gemessen habe der AUMA_MesseTrend, die jährliche Ausstellerbefragung durch TNS Emnid, ein erstaunlich gutes Ergebnis gebracht. 24 % der deutschen ausstellenden Unternehmen planen höhere Messebudgets in den beiden nächsten Jahren, nur 14 % geringere. Insbesondere größere Firmen wollen mehr in Messen investieren: Rund 30 % der Aussteller mit über 50 Millionen Euro Umsatz planen höhere Aufwendungen, nur 10 % weniger. Und 27 % der Investitionsgüterhersteller, die Messen ohnehin intensiv nutzen, wollen ihre Messe-Etats noch steigern.

Qualität der Messebeteiligungen wird verbessert
Die Firmen, die ein größeres Budget für Messen ausgeben wollen, planen vor allem die Vergrößerung der Stände sowie die Investition in den Standbau, aber auch in Kommunikation und Service. Es gibt also, so Boekstegers, eine hohe Bereitschaft, die Qualität der bestehenden Beteiligungen zu verbessern. Von den deutschen Ausstellern planen in den nächsten beiden Jahren fast zwei Drittel gleich viele Inlandsmessebeteiligungen wie in der Vergangenheit. Jeweils 17 % wollen mehr oder weniger Beteiligungen durchführen. Das signalisiert eine stabile Entwicklung bei der Zahl inländischer Aussteller. Im Ausland möchten drei Viertel der deutschen Aussteller die Zahl ihrer Beteiligungen konstant halten. 12 % planen mehr, 14 % weniger Auslandsmessen, dies trotz vergleichsweise unsicherer Aussichten für die Weltwirtschaft.

Messe-Anteil an der B2B-Kommunikation weiter über 40 %
Der Anteil der Messen an den Business-to-Business-Kommunikations-Budgets liegt derzeit bei 42 %, in gleicher Größenordnung wie schon seit mehreren Jahren. In der Investitionsgüterindustrie werden gar 47 % in Messen investiert. Der AUMA-Vorsitzende: „Die Bedeutung des Instruments Messe im Kommunikations-Mix der Unternehmen ist unverändert stark. 83 % der ausstellenden Unternehmen betrachten ihre Messebeteiligungen im Rahmen ihrer Kommunikation als wichtig oder sehr wichtig, etwa genauso viel wie vor fünf Jahren. Für diese Firmen stehen Messen im Mittelpunkt ihrer Kommunikation“. Wirtschaftskrisen oder die wachsende Bedeutung anderer Medien könnten dem wenig anhaben. So sei die Relevanz des Online-Vertriebs im B2B-Sektor in den letzten Jahren nur relativ moderat gewachsen: Vor fünf Jahren betrachteten 38 % der Unternehmen diesen Kanal als wichtig, heute 42 %. Werbung in der Fachpresse habe dagegen deutlich verloren.

Leichtes Aussteller-Plus im Jahr 2012
Für das Jahr 2012 hat der AUMA schon eine erste Hochrechnung vorgelegt. Er rechnet bei den 161 überregionalen Messen mit rund 1,5 % mehr Ausstellern als bei den jeweiligen Vorveranstaltungen (im Vergleich zu 2011 ein Plus von 3,1 %). Dies sei, so Boekstegers, durchaus besser, als angesichts der verschlechterten Rahmenbedingungen zu erwarten war. Überdurchschnittlich seien die Beteiligungen aus dem Ausland gewachsen: Das relativ gute Konsum- und Investitionsklima in Deutschland locke ausländische Anbieter an. Außerdem nutzten viele Firmen aus südeuropäischen Krisenländern die deutschen Messen als Exportplattform, auch über Deutschland hinaus. Die Standfläche der überregionalen Messen sei ebenfalls um 1,5 % gewachsen (Im Vergleich zu 2011 ein Plus von 4,8 %). Hier werde zwar vorsichtiger kalkuliert; die Firmen setzten aber weiterhin auf angemessen große Präsentationsflächen. Die Besucherzahl der Messen des laufenden Jahres liegt nach vorläufigen Ergebnissen etwa 1 % unter dem Niveau der Vorveranstaltungen (Im Vergleich zu 2011 ein Plus von 4,1 %), was aber keinen signifikanten Rückgang bedeute. Auch sei kein durchgängiger Trend zu erkennen, vielmehr kämen hier Probleme einzelner Industriebranchen zum Ausdruck. Boekstegers: „Das Jahr 2012 hat gezeigt, dass Messen auch in Zeiten mit unsicherer Stimmungslage als Kommunikations- und Marketinginstrument zuverlässig funktionieren. Sie haben unverändert die führende Position in der B2B-Kommunikation“.

Für 2013 rechnet der AUMA mit weitgehend stabilen Aussteller- und Besucherzahlen trotz eingetrübter Konjunktur. Positiv für die Messewirtschaft sei auch, dass die Live-Kommunikation mittelfristig ihren hohen Stellenwert behalte. Dies sei jedenfalls Ergebnis der Szenario-Analyse „Messen & Live-Communication 2020“ der Handelshochschule Leipzig, die der AUMA kürzlich veröffentlicht hat. Dementsprechend seien auch mittelfristig tendenziell stabile Beteiligungen an Messen zu erwarten. Und die fortschreitende Globalisierung könne zu noch mehr Beteiligungen aus dem Ausland führen, da viele deutsche Messen eine Drehkreuzfunktion für den internationalen Handel hätten.

Erneut mehr „German Pavilions“ auf Auslandsmessen
Das Bundeswirtschaftsministerium realisiert im Rahmen seines Auslandsmesseprogramms im laufenden Jahr 252 „German Pavilions“ auf Messen in allen Kontinenten. Mit diesem Programm werden deutsche Aussteller bei Beteiligungen auf schwierigen Auslandsmärkten unterstützt. 2012 wurden sogar mehr Beteiligungen durchgeführt als in den Boomjahren 2006/2007. Offensichtlich, so der AUMA-Vorsitzende, forcieren kleine und mittlere Unternehmen ihren Export, da sich die Rahmenbedingungen auf den EU-Märkten eher verschlechtert haben. Eine Umfrage von TNS Emnid unter den Teilnehmern des Jahres 2011 hat die hohe Wertschätzung des Auslandsmesseprogramms bestätigt. So schätzen 86 % der Firmen die positive Imagewirkung des „made in Germany“, mit dem alle Gemeinschaftsbeteiligungen großflächig gekennzeichnet werden. 77 % nutzen die Beteiligung für den Einstieg in einen neuen Markt, 76 % schätzen vor allem die technisch-organisatorische Unterstützung. Für 71 % ist die finanzielle Unterstützung ein wichtiger Grund. Die Umfrage habe weiter ergeben, dass das Ziel der KMU-Unterstützung klar erreicht wird: Denn 87 % der Aussteller haben unter 500 Beschäftigte. Laut Boekstegers seien für 2013 im Rahmen des Auslandsmesseprogramms 274 Beteiligungen geplant. Der abnehmende Export veranlasse offensichtlich viele Firmen zu mehr Auslandsmarketing in Form von Messebeteiligungen. Der Bund stelle für die Beteiligungen voraussichtlich 42,5 Millionen. Euro zur Verfügung. Beispiele für neue Schwerpunkte seien Brasilien mit 14 Beteiligungen im kommenden Jahr. 2010 habe es erst sieben gegeben. Hier sehe die deutsche Messewirtschaft deutlich verbesserte Marktchancen. Dasselbe gelte für die Türkei: Dort gebe es zwölf Beteiligungen im Rahmen des Auslandsmesseprogramms, gegen vier im Jahr 2010. Boekstegers: „Der AUMA setzt sich dafür ein, dass die finanzielle Ausstattung des Programms mittelfristig mindestens gehalten wird“. Dazu führe man regelmäßig Gespräche mit dem Ministerium und Bundestagsabgeordneten. Denn kleinere und mittelständische Firmen brauchten immer noch organisatorische Unterstützung: Das Ausstellen in Indonesien oder Südafrika werde so schnell nicht einfacher. Außerdem brauche die Dachmarke „made in Germany“ eine breite internationale Präsenz. Dazu seien Gemeinschaftsbeteiligungen an Messen optimal geeignet.

Zahl der deutschen Auslandsmessen wächst wieder
Die Auslandsmessen deutscher Veranstalter sind nach einer Konsolidierung in diesem Jahr ab 2013 wieder auf Expansionskurs. 275 Messen stehen auf dem Programm, zehn mehr als 2012. Dies betonte Dr. Peter Neven, Geschäftsführer des AUMA. Ein überdurchschnittlich starker Zuwachs werde in Lateinamerika erwartet. 21 Messen werden voraussichtlich durchgeführt. 2010 waren es erst 15. Wichtigste Zielregion sei weiter Süd-Ost-Zentral-Asien mit rund 50 % aller Messen. Wichtigstes Zielland ist unverändert China mit 77 Messen, gefolgt von Russland (40), Indien (31) und der Türkei (21). Gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ist erstmals Brasilien (je 16 Messen). Die Zahl der Kooperationen deutscher Veranstalter nehme wieder zu. Als gutes Beispiel gelte eine veranstalterübergreifende Themenbündelung in Moskau, wo drei Messen zu den Themen Raumausstattung, Türen und Sonnenschutz von drei Veranstaltern zeitgleich stattfinden. Das Förderprogramm des Bundes zur Unterstützung junger, innovativer Unternehmen auf deutschen Messen sei unverändert eine Erfolgsgeschichte, so Dr. Neven. In diesem Jahr seien fast 700 Firmen auf 55 Messen (Im Jahr 2011 waren es 48) gefördert worden. Vor vier Jahren seien es erst 420 Aussteller gewesen. Das Programm laufe zunächst bis einschließlich 2013; die Chancen für Verlängerung stünden aber gut, denn die Bundesregierung betrachte dieses Programm als effizientes Instrument zur Markterschließung für Existenzgründer.

Im Rahmen seiner Lobbyarbeit hat der AUMA, so der AUMA-Geschäftsführer, bei der Erteilung von Visa für ausländische Messeteilnehmer einige Verbesserungen erreicht. In den letzten Jahren hatte es bei mehreren deutschen Botschaften auf diesem Feld Engpässe gegeben. Nach Gesprächen mit dem Auswärtigen Amt sei die personelle Ausstattung bei betroffenen Botschaften teilweise verbessert worden. Auch seien die Antragsverfahren vereinfacht worden. Intensiv beschäftige sich der AUMA mit der EU-Verbraucherrechte-Linie, die gegenwärtig in nationales Recht umgesetzt werde. Hier gehe es vor allem um die Frage, ob Messestände Geschäftsräume seien. Denn nur dann könnten auf Messen geschlossene Kaufverträge nicht widerrufen werden. Mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums vertritt der AUMA die Auffassung, dass der Kauf auf Messen mit der Situation in einem Einzelhandelsgeschäft vergleichbar sei und deshalb Messestände wie Geschäftsräume zu betrachten seien.

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