Vorhang auf Freiburg (2008-06-25)
Die Erwartungen
Die Internationale Kulturbörse Freiburg (IKF) wurde in diesem Jahr von den über 3.000 Fachbesuchern, Künstlern und Ausstellern mit Spannung erwartet. Es waren einige Neuerungen angekündigt worden: größere Ausstellungsflächen, auf denen mehr als 300 Aussteller Platz finden sollten, ein breiteres Programmangebot mit über 120 Auftritten aus den Bereichen Kleinkunst, Varieté, Musik und Straßentheater sowie die erstmalige Verleihung des Fachpublikumspreises „Freiburger Leiter."
In den Gängen und an den Ständen der Messehalle ging es am frühen Dienstagmorgen turbulent zu: Die Stände waren schon am Vortag aufgebaut worden, jetzt legten Agenturen und einzelne Künstler, Service- und Cateringfirmen oder Ausstatter letzte Hand an, damit ihr Stand möglichst viele Interessenten anzieht.
Die Kurzauftritte im Theatersaal
Veranstalter, Kulturhausbetreiber, Künstleragenten, Eventagenturen, Marketingverantwortliche aus Unternehmen und Gemeinden, Medienvertreter, kurz: die Fachbesucher, hielten sich an diesem Messetag noch zurück. Sie wollten in erster Linie die Kurzauftritte sehen und danach entscheiden, welche Künstler für ihre Veranstaltungen die Richtigen sind.
Bereits um 10.30 Uhr war der Theatersaal bis auf den letzten Platz besetzt.
Wie immer kursierten auch in diesem Jahr Geheimtipps über die besten Newcomer. Hinter vorgehaltener Hand machten Namen wie René Marik, Annamateur, Sebastian23 oder Carmela de Feo die Runde. Würde denn auch einer von ihnen den begehrten Preis bekommen?
Im Internetportal „You Tube" war der blinde Maulwurf mit Sprachfehler seit Wochen auf der Bestenliste und entsprechend groß der Andrang für den Kurzauftritt von René Marik. Auf der Bühne schilderte Eisbär Kalle aus Berlin eine neue Version über den Untergang der Titanic, der Maulwurf und der Frosch enthüllten Episoden aus dem Programm „Autschn! Ein Abend über die Liebe". Zwischendurch trug der 38-jährige Marik traurige Liebeslieder und schräge Gedichte vor. Eine ungewöhnliche Mischung - und das Publikum war begeistert.
Sebastian23 ist in Poetry Slam Kreisen schon lange bekannt. Seit vier Jahren tritt er auf unzähligen Poetry Wettbewerben im deutschsprachigen Raum auf und hat unzählige freche, rasante und witzige Texte geschrieben, oft mit einer verblüffenden Pointe. „Mein Ziel ist nicht unbedingt der Lacher," sagt Sebastian23, obwohl das Freiburger Publikum Tränen lachte. Sebastian23 lässt sich zum Glück in keine Schublade stecken - er ist Poet, Comedian, Schriftsteller und Philosoph. Und kam auf der Freiburger Bühne richtig gut an.
Annamateur & Aussensaiter alias Anna Maria Scholz aus Dresden und ihre beiden Kollegen Stephan Braun (Cello) und David Sick (Gitarre) hatten fast auf Anhieb die Sympathie der Zuschauer auf ihrer Seite. Mit der theatralischen Darbietung der Coverversionen von Tom Waits, Zarah Leander oder Charles Aznavour sind sie erfrischend anders.
Carmela de Feo bezauberte ihre Fans als La Signora: Sexy Haarnetz, schwarze Bluse, schwarzer knöchellanger Rock, darunter käseweiße Beine und der unverwechselbare Schönheitsfleck auf der Wange - „so heiß wie diese modische Offenbarung war zuvor nur Marilyn Monroe," sagt La Signora über sich. Carmela de Feo erzählte absurde Geschichten aus ihrem Heimatland Italien und flirtete mit dem Publikum, sie sang, tanzte und spielte Akkordeon.
Waren die Vier wirklich potentielle Gewinner der ersten Freiburger Leiter? Schwierig, denn auf den Bühnen präsentierten sich durchaus viele andere außergewöhnlich gute Künstler.
Jeder Besucher hatte nur eine Stimme. Da fiel die Wahl nicht wirklich leicht.
Zumal alte Bekannte wie Knacki Deuser, Kalle Pohl oder Nessi Tausendschön das Publikum ebenfalls gewohnt professionell unterhielten. Newcomer sind sie natürlich längst nicht mehr. Ein Kulturamtsleiter aus Süddeutschland wollte gerade deswegen Knacki Deuser als Moderator für ein Stadtfest gewinnen: „Herr Deuser hat durch seine vielen Fernsehauftritte einen hohen Wiedererkennungswert."
Die Musikbühne
Auch auf der Musikbühne tat sich einiges: Besonders hervorzuheben sind Christina Lux oder die britische A-Cappella-Band „Cantabile".
Vor einem Riesenpublikum präsentierte die Sängerin und Gitarristin Christina Lux eindrucksvolle Jazzimprovisationen. Ihre Stimme ist dynamisch, die Texte berühren durch ihre Authentizität und Kraft. „Cantabile" verfügt über ein vielfältiges Repertoire von der Klassik bis zur Komik, von Monteverdi bis Monty Python. Mit Witz und Charme sangen sich die vier Musiker in die Herzen des Publikums. Am Schluss blieb vor Lachen kein Auge trocken.
Außergewöhnlich auch die Musik von MoZuluArt, der Auftritt der Musikerin Siiri Sisask - einem Star der estnischen Musikszene - oder der Beitrag der irischen Senkrechtstarter von Beoga. Alles eindrucksvolle Präsentationen und „nebenbei" natürlich auch potenzielle Anwärter für die Freiburger Leiter.
Die Ausstellung
Nach Kurzauftritten, die besonders erfolgreich waren, entstand wenig später ein regelrechter Run auf die Messestände der jeweiligen Künstler. Beate Schrader, Eventmanagerin aus Hessen, wartete am Stand von René Marik. „Ich suche noch einen geeigneten Künstler für ein 10-jähriges Firmenjubiläum. Meine Auftraggeber haben viele junge Mitarbeiter, René Marik würde ideal dazu passen."
Die Kurzauftritte vor der Messehalle
Während auf den beiden Bühnen das Programm weiter ging, hatten Straßentheatergruppen, Walk- Acts oder Marching Bands ihren großen Auftritt in oder vor der Messehalle - sehr intensiv und ungewöhnlich der Auftritt der israelischen Theatergruppe Orto-Da. Für einen besonderen Höhepunkt mit einer 20-minütigen spektakulären Feuershow vor den Toren der Messe sorgte das Freiburger Aktionstheater Pan.Optikum mit der Produktion „BallGefühl", die als offizieller Beitrag des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur Fußballweltmeisterschaft 2006 entwickelt worden war.
Die Freiburger Leiter
Am Donnerstag gaben die letzten Besucher ihre Stimme für die „Freiburger Leiter" ab. Um 18 Uhr sollte die Preisverleihung stattfinden. Um diese Zeit hatten schon viele Aussteller mit dem Abbau begonnen. Erstaunlich viele Zuschauer saßen jedoch immer noch im Theatersaal und warteten auf die Bekanntgabe der gewählten Künstler. Und die standen schließlich auch fest: Annamateur & Aussensaiter gewannen neben der „Freiburger Leiter" 3.000 Euro, eine Haushaltsleiter, ein Fass Bier sowie die Einladung zum Eröffnungsabend der 21. IKF. Anna Maria Scholz alias Annamateur liebt es nicht, so ganz ohne erprobtes Programm im Mittelpunkt zu stehen. „Ich freu´mich! Wir sind einfach alle ein bisschen durch jetzt. Lass uns das beenden..."
Leider konnte sie das Fass nicht mitnehmen, denn sie war mit dem Zug unterwegs. Das Bier hätte sich eigentlich Holger Thiemann verdient. Der Projektleiter und Initiator der IKF kann zum 20. Jubiläum eine beachtliche Bilanz ziehen: Auf der Messe konnten die Besucher alles, was man zur Gestaltung eines herausragenden Events, einer Firmenfeier oder Produktpräsentation benötigt, sehen, testen, erleben und buchen. Die Stimmung war an allen Messetagen heiter und entspannt - wie sich das für ein großes Jubiläum eben gehört.
Quelle bzw. Informationen von:
Internationale Kulturbörse Freiburg
 
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