Spätestens wenn zehntausende Menschen gleichzeitig den Namen einer Stadt im Ruhrgebiet schmettern, ist gewiss, dass man sich auf einem Herbert Grönemeyer Konzert befindet. Mit legendären Hits wie „Bochum“ oder „Männer“ aber auch zahlreichen neuen Stücken seines aktuellen Albums „Zwölf“ auf der Songliste, ist der deutsche Ausnahmekünstler zurzeit wieder auf Tour - von Ende Mai bis Ende Juni, von Leipzig bis Bern, 23 Konzerte, 18 Städte. Dabei füllt der Pop-Interpret selbst größte Stadien mit Leichtigkeit, allein zwei Millionen Zuschauer kamen zur letzten Tour. Für das Lichtdesign der Open-Air-Konzerte setzten die
Lichtdesigner Günter Jäckle und Paul Normandale auf Produkte der Hersteller MA Lighting, Robert Juliat und Vari*Lite.
Innerhalb der letzten sechs Monate ist Grönemeyer bereist der dritte Künstler, den Günter Jäckle auf seiner Tour begleitet. Nach PUR und Peter Maffay verlässt er sich auch dieses Mal erneut auf Pulte aus der grandMA Familie. „Mit der grandMA habe ich ein Werkzeug an der Hand, das einfach reibungslos funktioniert.“ Ebenso griff Jäckle bei der Vorprogrammierung erneut auf die Software grandMA 3D zurück, mit der er auch die beiden vorangehenden Touren entworfen hatte. „Wir sind bei der Vorprogrammierung ähnlich wie bei Peter Maffay verfahren und waren bei den Proben mit den Pulten dabei. Diesmal war das aufgrund der Anzahl an Scheinwerfern, immerhin haben wir allein über 150 Moving Lights im Einsatz, eine weitaus komplexere Angelegenheit. Außerdem wird ein Grönemeyer-Konzert stark von der Spontaneität des Künstlers geprägt. So ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, auf ihn zu achten, um entsprechend seiner Performance zu reagieren. Flexibilität ist oberstes Gebot.“
Dominiert wird die Bühne bei der „Zwölf“-Tour von einer hochauflösenden Mitsubishi LEDVideoscreen. Mit 25 Metern Breite, neun Metern Höhe und 27 Tonnen Gewicht ist sie das beherrschende Element der Show. „Der Fotograf Anton Corbijn lieferte die Inhalte der gezeigten Filme und Animationen, mein Konzept orientiert sich an diesen Vorgaben. So schränke ich mich zum Beispiel bei den Farben ein. Ich setze diese so ein, dass sie mit den Videos harmonieren – das ist Gefühlssache“, so Jäckle. Die Videowand stellte ihn und sein Team jedoch noch vor eine weitere Herausforderung: „Wir müssen gegen die Helligkeit der Screen mit unseren Scheinwerfern anstrahlen. Ebenso spielt das
Tageslicht eine Rolle, das bei einem Open-Air-Konzert ein weiterer kritischer Faktor ist. Aus diesem Grund verwenden wir Scheinwerfer, die einen ordentlichen Punch haben. Dazu zählen neben den Biglites natürlich die im Rigg platzierten VL5 Arc. Mittels dieser geballten Leuchtkraft geling es uns, bereits bei
Tageslicht interessante Bilder zu erschaffen.“
„Bei der Auswahl der VL6 Spot waren ihr Gewicht und ihre schlanke Form ein wichtiges Argument. Da die Bühne allein durch die LED-Screen bereits enorm belastet wird, mussten wir Gewicht sparen. Dass die Vari-Lites darüber hinaus noch ein brillantes Licht liefern, ist ein äußerst angenehmer zusätzlicher Effekt“, erläutert Jäckle mit einem Blick auf das Rigg. Das hält weitere Finessen bereit. Während der zweiten Hälfte der Show werden die beiden Kreistraversen über der Bühne vor die Videoscreen verfahren. „Damit lösen wir uns zum einen von der Dominanz der Videoscreen, zum anderen schaffen wir ein neues Showelement.“ Während die Kreise interagieren, werden sie über die an ihnen befestigten Moving Lights beleuchtet. Zusätzlich sind fünf Traversenelemente verfahrbar, die an ein Flugzeug von vorne erinnern. Dabei bilden 8-Lite Blinder die „Propeller“, das „Cockpit“ wird von einem Verfolger dominiert, unter den „Tragflächen“ hängen Vari-Lites und Atomic Strobes. Während der Show werden diese fünf Elemente mehrfach vor die Videoscreen gefahren.
Jäckle berichtet weiter: „Zur Betonung der Bühnenumrisse verwenden wir die 8-Lite Blinder“. Mittels dieser gewinnt die Show zusätzlich an Dynamik, alles in allem sind rund 100 Blinder im Einsatz. Die aus ihnen geformte „Zwölf“ an den beiden seitlichen Towern der Bühne unterstreicht das Thema der Tour bzw. des neuen Albums. „Allerdings erfüllen die Blinder auch die Aufgabe, das Publikum zu beleuchten. Das ist dem Künstler sehr wichtig“, erklärt Jäckle. „Daher haben wir zusätzliche Blinder in den Towern links und rechts neben dem FOH untergebracht.“ Um die Protagonisten auf der Bühne gut auszuleuchten sind in diesen Towern jeweils vier Robert Juliat Cyrano Verfolger installiert. Dazu gesellen sich drei Robert Juliat Heloise Verfolger in der Bühne. „Die Verfolger werten das gesamte Konzept optisch auf und helfen uns, auch bei
Tageslicht eine ansprechende Beleuchtung zu schaffen.“ In den Kanten der Laufstege und an den beiden Kreistraversen sind NeonFlex LED-Linien angebracht worden. Damit werden diese Formen zusätzlich betont. Ein Effekt, der sich mit zunehmender Dunkelheit als nützlich aber auch als stilvoll erweist.
Eine Hälfte der „Zwölf“ Lichtcrewchef Peter Oberhofer sieht den kommenden Konzerten der Tour gelassen entgegen. „Bisher hat alles reibungslos funktioniert. Über die grandMA remote können wir bereist während des Aufbaus einen Riggcheck machen und uns dabei zu 100 Prozent auf die äußerst stabile Technik verlassen. Nachdem wir mit der Remote die Funktion getestet haben, gehen wir mit der grandMA light auf die Bühne, um die Presets nachzuführen. Wenn dann die Pulte im FOH in Betrieb gehen, sind bereits alle Einstellungen vorhanden.“ Auch Moving Light Operator André Bress weiß nur Gutes zu berichten: „Es funktioniert alles reibungslos.“ Die Signalverteilung im Netzwerk läuft über zwei im FOH untergebrachte MA 2Port Nodes und vier MA NSPs. Günter Jäckle, André Bress und Micha Fischer haben sich die Steuerung der Scheinwerfer geteilt. „Während ich den Großteil der Moving Lights kontrolliere, übernimmt Günter die Blinder, LEDs und Biglites. Micha kümmert sich um die LEDs und VL3000“, erklärt Bress. Fischer ergänzt: „Wir haben im Vorfeld nichts zu Ende programmiert. So können wir flexibel auf eine Änderung der Songliste oder Improvisationen des Künstlers reagieren. Die grandMA erleichtert uns diese Aufgabe ungemein. Ich kann mir das Pult so einrichten, wie ich es nutzen möchte.“
Und dass diese Flexibilität nötig ist, demonstrierte Herbert Grönemeyer wiederholt während seines Konzertes in Hannover. Immer wieder griff er die Zurufe des Publikums auf, spielte mit ihm, variierte Stücke und lies sich zu spontanen Einlagen hinreißen. Günter Jäckle und sein Team blieben an ihrer grandMA gelassen.
Procon Rental & Project GmbH und die VLD GmbH lieferten das Lichtequipment. Tobias Kühnel arbeitet als Production-Manager, Olaf Schröter ist als
Produktionsleiter tätig. Das Management der Tour übernahm das Büro Klaus Ulrich, die Tourneeleitung hat die Marek Lieberberg Konzertagentur GmbH gemeinsam mit der Dirk Becker Entertainment GmbH inne.