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BRAU Beviale 2008: Stadtluft macht durstig

vom 11.06.2008 veröffentlicht über meinMemo

Vom 12. bis 14. November öffnet die BRAU Beviale 2008 im Messezentrum Nürnberg ihre Pforten. Die in diesem Jahr international bedeutendste Investitionsgütermesse der Branche lädt ein und gut 1.400 Aussteller von Getränke-Rohstoffen, Technologien, Logistik und Vermarktungsideen inklusive kommunikationsstarker Standbesatzung sowie rund 34.000 potenzielle Kunden kommen gern.


Vom 12. bis 14. November öffnet die BRAU Beviale 2008 im Messezentrum
Nürnberg ihre Pforten. Die in diesem Jahr international bedeutendste
Investitionsgütermesse der Branche lädt ein und gut 1.400 Aussteller von
Getränke-Rohstoffen, Technologien, Logistik und Vermarktungsideen inklusive
kommunikationsstarker Standbesatzung sowie rund 34.000 potenzielle Kunden kommen
gern. Wer Investitionsentscheidungen treffen muss, will kompetent beraten sein -
und fühlt sich diesbezüglich in Nürnberg offensichtlich in den besten Händen: 97
% der Besucher (!) waren 2007 nicht nur mit dem Angebot ihrer BRAU Beviale
hochzufrieden, so das Befragungsergebnis eines unabhängigen Instituts, sondern
ebenso mit den Informations- und Kontaktmöglichkeiten an den
Messeständen.



Deutsches Bier auch international gefragt


Vieles Reden macht durstig. Die ausstellenden Unternehmen wirken dem mit
perfekter Bewirtung am Stand erfolgreich entgegen. Außerdem gibt es jede Menge
zu probieren: die neusten Aromen, Essenzen, gesundheitsfördernde Zusätze für
Alkoholfreies und natürlich gut gekühltes Bier aus aller Herren Länder -
spätestens beim BRAU Beviale Abend und der Verleihung des European Beer Star
Award. Preisgekrönte internationale Spitzenbiere haben bei deutschen
Bierliebhabern sicher eine Chance. Obwohl die Biereinfuhr nach Deutschland 2007
um fast 13 % zurückging, ließ man sich doch gern ein dänisches, belgisches,
tschechisches, niederländisches oder britisches Bier munden. Nach wie vor ist
deutsches Bier ein Exportschlager. Über 12 Mio. hl (+1,4 %) ließ man sich in den
EU-Ländern schmecken, allen voran Italien, Frankreich, die Niederlande,
Großbritannien und Spanien. Außerhalb Europas wurden 15,4 Mio. hl (+3,7 %)
deutsches Bier getrunken, besonders gern in den USA, Kanada, der Schweiz und
Russland (Statistisches Bundesamt, D). 

 

Demographische Veränderungen
beeinflussen Getränkemärkte  

Der eigentliche Moment ging völlig
unbemerkt vorüber und dennoch bezeichnet 2007 eine Wende in der Geschichte der
Menschheit: Erstmals wohnen weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land.
Und diese Entwicklung setzt sich fort - auch in Europa. Bei einer
Gesamtbevölkerung von 729 Mio. - rechnet man, wie die Vereinten Nationen es tun,
Russland und die Ukraine zu Europa hinzu - leben heute ca. 520 Mio. Europäer in
Städten (UN Habitat). Bis 2025 soll sich diese Zahl auf 572 Mio. erhöhen. Ihr
Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von 72 auf 82 %. Im Ranking der größten
Städte Europas führt Moskau vor London, St. Petersburg, Berlin, Madrid, Rom,
Kiew, Paris, Bukarest und Budapest. Von den zehn größten Städten Europas lagen
fünf ehemals hinter dem Eisernen Vorhang. Das erklärt sich aus der Doktrin des
Sozialismus, welche in der Urbanisierung eine der Säulen des Fortschritts sah.
So hat Russland 116 Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern, Polen 22, Rumänien
18 und Bulgarien 6. Deutschland und Frankreich jedoch nur 51 bzw. 16, was
bezogen auf ihre Einwohnerzahl, relativ wenig ist. In Deutschland und Italien
leben - als Folge ihrer späten nationalen Einigung, man erinnere sich an die
deutsche Kleinstaaterei - viel mehr Menschen in Kleinstädten mit weniger als
50.000 Einwohnern als in den Nachbarländern. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung
sind die Großstädter Italiens (21 %) und Deutschlands (26 %) eine Minderheit.


 

Längst haben sich die europäischen Großstädte zu Metropolregionen
ausgeweitet, deren tatsächliche Einwohnerzahl die der urbanen
Verwaltungseinheiten weit übertrifft. Bis 2015, das prognostizieren die
Vereinten Nationen, wird es in Europa fünf Metropolregionen geben mit jeweils
mehr als 5 Mio. Einwohnern. Diesmal liegt Paris vor (9,6 Mio.) Moskau (9,2
Mio.), London (7,6 Mio.), Essen (6,5 Mio.) und St. Petersburg (5,1 Mio.).
Fachleute stufen diese offiziellen Schätzungen der jeweiligen Stadtverwaltungen
als eher konservativ ein. 

 

Für die Strategieabteilungen der Brau- und
Getränkekonzerne sind Migration im nationalen wie transnationalen Kontext sowie
Urbanisierung und Individualisierung Phänomene, die sie in ihren
Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Stadtluft macht offenbar durstig;
dies vor allem in Mittelosteuropa, dessen Märkte 2007 erneut mit hohen
einstelligen Steigerungsraten beim Bierkonsum glänzten, während in Westeuropa
der Bierkonsum stagnierte oder rückläufig war. 

 

In den urbanen Zentren
Mittelosteuropas sind die Einkommen höher, die gastronomischen Angebote
vielfältiger. Die Braukonzerne kommen hier ihrem Gewinnziel deutlich näher als
in gering besiedelten, ärmeren ländlichen Gegenden. Denn nur in den Metropolen
finden sich Konsumenten in großer Zahl, die für internationale Biermarken mehr
Geld ausgeben als für heimische. Insofern sind Städte die ideale Plattform für
Premiummarken, aber auch für Verpackungsinnovationen wie PET, das in
unterschiedlichen Volumina (0,5 bis 5,0 l) den europäischen Biermarkt von Osten
her aufzurollen scheint (Heineken, Geschäftsbericht 2007). 

 

Die
europäische Bieretikette: Großzügige Rumänen und Russen  

In Städten kann
sich Bier als Getränk der sozialen Interaktion etablieren. Die sogenannte
„Bieretikette" hat immer noch ihren Ursprung in urbanen Trends. Dies belegt eine
Umfrage von SABMiller („Beer etiquette - How Europeans enjoy a beer") unter
7.500 Konsumenten in 15 europäischen Ländern. Folgende Konsumsituationen wurden
dabei erforscht: in der Gruppe, beim ersten Date, bei einem Geschäftstreffen, im
Restaurant, bei einer Hochzeit. Dabei wurde deutlich: Die Rumänen sind die
großzügigsten Konsumenten. Sie spendieren auch dann eine Runde Bier, wenn die
Gruppe mehr als 10 Teilnehmer hat und sie nicht davon ausgehen können, dass sich
einer dafür revanchiert. Freizügig sind in dieser Frage auch die Russen, während
die Holländer lieber die Rechnung teilen würden. 

 

Interessant auch die
Verhaltensmuster auf die Frage, wer bezahlt, wenn ein Paar ausgeht. Frauen, die
sich gern von ihrer männlichen Begleitung einladen lassen, sollten in Russland,
Polen, Tschechien oder der Slowakei ausgehen. Hier ist Ritterlichkeit noch sehr
ausgeprägt. Überraschenderweise nicht in Frankreich, wo sich nur 78 % der Herren
verpflichtet fühlen, die Zeche im Restaurant zu bezahlen. 

 

Tiefgreifende
Unterschiede innerhalb Europas gibt es auch beim Thema, bei welcher Gelegenheit
Bier als Getränk akzeptabel ist. Beim Business Meeting? Nur in Russland,
Belgien, Frankreich, Dänemark, Spanien und Schweden finden mehr als ein Drittel
der Befragten Bier in Ordnung. Bei einer Hochzeit? Das ist für die meisten
Europäer ein guter Anlass eine Flasche zu öffnen. Anderer Meinung waren
Italiener, Russen, Franzosen und Slowaken. Einigkeit herrschte dagegen in der
Frage: Bier im Restaurant? Mehr als die Hälfte aller Befragten fand nichts
dabei, egal aus welchem Land. Die „konservativsten" Konsumenten scheinen die
Slowaken zu sein. Bier trinke man in geselliger Runde, nicht jedoch beim ersten
Date, bei einer Hochzeit oder bei einem Geschäftstreffen. 

 

Die
Geschichte Nord- und Südeuropas wiederholt sich weiter östlich  

Auf die
Entwicklungen des Getränkekonsums in Finnland oder Spanien hatten Landflucht und
Verstädterung direkten Einfluss. Noch vor 40 Jahren war der Bierdurst der Finnen
einer der niedrigsten Europas. Heute konsumieren sie im Durchschnitt 86 l im
Jahr und bewegen sich damit im oberen europäischen Mittelfeld. Der Grund? Die
Finnen haben das Ausgehen gelernt. Früher waren sie offenbar eher Stubenhocker,
heute gehören sie zur europäischen Party Crowd. Dafür stehen die Zahl der Lokale
in den Städten und der gestiegene Bierkonsum. Die Spanier tranken vor 40 Jahren
überwiegend Wein und den auch nur zum Essen. Inzwischen hat der Bierkonsum mit
87 l den Weinkonsum längst überholt, weil Bier zwar hauptsächlich in Bars und
Restaurants getrunken wird, aber auch immer mehr dem Wein am heimischen Esstisch
Konkurrenz macht. Folglich werden in Spanien nur noch 62 % des Bieres über die
Gastronomie abgesetzt, die restlichen 38 % über den Handel für den Konsum zu
Hause (Canadean, britisches Marktforschungsinstitut). 

 

In den Ländern
Mittelosteuropas wird im Durchschnitt mehr als die Hälfte des
Bruttosozialprodukts (BSP) in Städten erarbeitet. Die Hauptstadtregionen
erzielen ein Wohlstandsniveau deutlich über dem Landes-durchschnitt, allen voran
Prag, Bratislava, Közép-Magyarország (Budapest) und Mazowieckie (Warschau).
Abgesehen von diesen Hauptstadtregionen liegt das Einkommen pro Einwohner nur in
der restlichen Tschechischen Republik, Slowenien und Teilen Ungarns über dem
EU-Durchschnitt (Eurostat). In den Jahren 2000 bis 2004 nahm der Aufholprozess
der neuen Mitgliedstaaten an Geschwindigkeit zu. Eine besonders dynamische
Entwicklung durchliefen Ungarn, Tschechien, die Slowakei, die baltischen Staaten
und Rumänien. Grund dafür mag auch das gestiegene Volumen an
Arbeitnehmer-Rücküberweisungen (Remittances) sein, das sich nach Schätzungen der
Europäischen Kommission zwischen 2001 und 2004 deutlich erhöht hat. Allein die
polnischen Migranten in der EU überwiesen 2004 geschätzte mehr als 6 Mrd. EUR an
ihre Familien zu Hause. Auch für die rumänische Wirtschaft sind die Remittances
ein wichtiger Faktor, tragen sie doch zum Wirtschaftswachstum bei. So lagen die
ausländischen Direkt-investitionen 2006 bei über 5 Mrd. EUR, die privaten
Remittances bei 2,5 Mrd. EUR. Im Nachbarland Bulgarien sind Remittances noch
bedeutender. Untersuchungen der Bulgarischen Nationalbank besagen: 2007
überwiesen im Ausland arbeitende Bulgaren über 2 Mrd. EUR in die Heimat - das
sind knapp 8 % des BSP. 

 

Die Zukunft der Städte  

Wenn trotz
der zahlreichen Regionalförderpläne die Landflucht in Mittelosteuropa
unverändert anhält, leben 2025 wahrscheinlich nur noch 128 Mio. Menschen in
ländlich strukturierten Gebieten. 1995 waren es noch 192 Mio. Die dramatischste
Entwicklung wird dabei Russland durchlaufen.  

 

Trotz steigender
Immobilienpreise in allen Metropolen Mittelosteuropas scheint aber der Run auf
sie ungebrochen. Das zeigt sich unter anderem an der Zahl der Haushalte, die
überall zunimmt. Für 2025 prognostizieren die Vereinten Nationen in Tschechien
mehr als 6 Mio. Haushalte (2005: 5 Mio.), in Ungarn 4,7 Mio. (2005: 4,2 Mio.),
in Polen 16,6 Mio. (2005: 14,4 Mio.) und in Rumänien 9,1 Mio. (2005: 8,2 Mio.).
Gleichzeitig nimmt die Haushaltsgröße ab. Gründe sind die Individualisierung in
den Städten und die Zunahme des Durchschnittsalters. So wird 2025 jeder fünfte
Bulgare über 65 Jahre alt sein, der Durchschnitts-Slovene 47,4 Jahre
(Weltbank-Report "From Red to Grey"). Dieses Szenario erteilt allzu
optimistischen Konsumsteigerungsraten einen Dämpfer. Wie stark dieser das BSP
beeinträchtigt, hängt von zahlreichen Faktoren ab wie Lebensarbeitszeit,
Produktivität der Arbeitskräfte oder ob die betroffenen Länder sich für
Migranten aus weiter östlichen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion
öffnen. 

 

Die Konsumgüterindustrie hat längst die Auswirkungen einer
alternden und schrumpfenden Bevölkerung studieren können, etwa am Beispiel
Italiens. Da zeigte sich: Der private Konsum sinkt mit zunehmendem Alter.
Allerdings sind ältere Konsumenten bereit, mehr Geld auszugeben. Überträgt man
dieses Muster auf die Märkte Mittelosteuropas, darf die dortige Brau- und
Getränkewirtschaft in den urbanen Zentren noch lange mit sprudelnden Gewinnen
rechnen.